Berlin. (klh) Die äußerst europakritische Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) könnte die Wahl in Deutschland noch kräftig durcheinanderwirbeln. Denn die AfD legt vor dem Urnengang am 22. September in Umfragen kräftig zu und kratzt an der Fünf-Prozent-Hürde. Die erst im Februar gegründete Bewegung rangiert in der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa bei bereits vier Prozent Zuspruch.

Sollte die AfD den Einzug in den Bundestag schaffen, dann wird es eng für die von Kanzlerin Angela Merkel anvisierte Koalition zwischen Union und FDP. Denn die dem Bündnis derzeit vorhergesagten 45 Prozent Wählerstimmen könnten bei dieser Konstellation für eine Mehrheit nicht mehr ausreichen.

Und noch ein Problem gibt es für die Regierungsparteien: Die Liberalen liegen derzeit bei gerade einmal fünf Prozent und müssen noch um den Einzug in den Bundestag zittern. Entscheidende Stimmen könnten sie dabei gerade an die AfD verlieren.

AfD sieht sich von Demoskopen benachteiligt

Einer der drei Vorsitzenden der AfD, der Hamburger Ökonom Bernd Lucke, beklagt sich schon seit längerem darüber, dass die Meinungsforschungsinstitute den statistischen Spielraum nutzen würden, um seine Partei kleinzurechnen. Sie wollten ihre Hauptauftraggeber, die etablierten Parteien, nicht verärgern, sagte der ehemalige Weltbank-Berater dem "Handelsblatt". Die Institute wiesen dies zurück.

Lucke und seine Mitstreiter glauben an den Einzug in den Bundestag - den auch mancher Demoskop nicht ausschließt. Die AfD könnte demnach ihre Werte am Wahltag übertreffen, da sich die AfD-Wähler nicht klar bekennen würden, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem "Stern".

Die Partei, die auch schon durch jede Menge interne Streitigkeiten in ihren Landesverbänden auf sich aufmerksam gemacht hat, hat vielerorts keine gute Reputation und wird von einigen Kommentatoren am rechten Rand angesiedelt. Auch frühere Parteigänger beklagen sich, dass sich die AfD viel zu wenig von rechtspopulistischen und antiislamischen Strömungen distanziere. Die Parteispitze wiederum betont, dass sie sich von Rechtsradikalen klar abgrenze.

Zu punkten versucht die AfD vor allem mit scharfer Kritik an der Euro-Politik. Sie wettert gegen eine "Transferunion" und möchte den Euro in seiner derzeitigen Form abgeschafft wissen. Zuletzt ist sie noch auf einen weiteren Themenzug aufgesprungen: Recht und Ordnung. So verlangt die Bewegung ein härteres Durchgreifen gegenüber Serientätern.

Damit spricht die AfD die Ängste ihrer potenziellen Wähler an: Stimmen gibt es laut politischen Beobachtern für die AfD vor allem bei dem verunsicherten Teil der Mittelschicht zu holen, bei oft gar nicht so schlecht situierten Leuten mit Zukunftsängsten und großer Skepsis gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung. Zudem ziehe die Partei ehemalige Sympathisanten der CDU an, denen unter dem pragmatischen Kurs von Angela Merkel zu sehr die konservative Schlagseite der CDU verloren gegangen ist.

Nun wird heftig über Alternativen spekuliert, sollte die AfD tatsächlich die schwarz-gelbe Mehrheit brechen. Aufdrängen würde sich dann eine große Koalition zwischen CDU und SPD, für die aber vor allem die SPD bisher sehr wenig Zuneigung zeigte.