Berlin. Zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl fällt Rot-Grün in einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen weiter hinter die schwarz-gelbe Regierungskoalition zurück. In dem am Donnerstag veröffentlichten ZDF-Politbarometer kann die SPD trotz des TV-Duells ihren Umfragewert der Vorwoche von 26 Prozent nicht verbessern. Ihr Wunschpartner Grüne verzeichnet einen Einbruch um zwei Punkte auf noch zehn Prozent. Für die Grünen sei dies der schlechteste Wert seit November 2009.

Gemeinsam käme Rot-Grün demnach auf 36 Prozent, wenn bereits am kommenden Sonntag gewählt würde. Union (41 Prozent) und FDP (sechs) würden unverändert zusammen 47 Prozent erreichen. Das wäre eine knappe parlamentarische Mehrheit, die aber schon allein aufgrund der statistischen Fehlerbereiche auf wackeligen Füßen steht.

Andere Dynamik

Die Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zeigt damit eine andere Dynamik als eine am Mittwoch veröffentlichte Erhebung der Berliner Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse Forsa. Darin hatten SPD wie auch die Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) leicht zugelegt. Den Forsa-Forschern zufolge hatten die SPD und ihr Kanzlerkandidat Peer Steinbrück die stärksten Zuwächse am Montag und damit unmittelbar nach dem TV-Duell verbucht.

Die Linkspartei gewinnt in der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen einen Punkt auf acht Prozent hinzu, während die AfD bei drei Prozent bleibt, wie das ZDF mitteilte. Erhoben wurde die Umfrage von Montag bis Mittwoch und damit auch teilweise nach dem Fernseh-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Steinbrück.

Ansehensgewinn für Steinbrück

Der SPD-Kanzlerkandidat verbucht zwar einen deutlichen Ansehensgewinn. In der Kanzlerfrage kann der SPD-Politiker aber nicht aufholen. Von den Befragen wollten 59 Prozent (minus eins) Merkel als Kanzlerin und 30 Prozent (minus eins) Steinbrück. Allein beim für die SPD-Anhänger wichtigen Thema der sozialen Gerechtigkeit kann Steinbrück punkten.

Dem ZDF-Politbarometer zufolge legen fast alle Spitzenpolitiker im Ansehen zu. Merkel stieg auf der Skala von plus fünf bis minus fünf um 0,4 Punkte auf 2,4. Ihr folgten mit großem Abstand Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 1,4 und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (1,2). Steinbrück habe sich sehr deutlich um 0,6 Punkte verbessern können und liege mit 0,9 Punkten nun auf Platz vier. Besonders deutlich legte Steinbrück demnach bei den SPD-Anhängern zu von 2,2 auf nun 3,0. Merkel kommt in der Union auf 4,0 Punkte. Schlusslicht ist unverändert Philipp Rösler mit minus 0,7, hinter Außenminister Guido Westerwelle und dem Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin als Drittletzten.

Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 2. bis zum 4. September 1.296 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Der Fehlerbereich liege zwischen drei und zwei Prozentpunkten.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey wünschte sich indes Änderungen für das künftige TV-Duell der Kontrahenten zur Bundestagswahl. "Besser wären zwei Duelle mit jeweils zwei Moderatoren, wie das 2002 auch der Fall war", sagte Frey am Donnerstag in einem dpa-Interview. "Aber man kann keinen Gast in eine Sendung zwingen, zu der er nicht kommen will."