Berlin. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat eine Koalition mit der Linkspartei nach der deutschen Bundestagswahl ausgeschlossen. Zur Begründung nannte er am Dienstag im WDR deren Forderungen nach einem Austritt aus dem Euro sowie antisemitische Tendenzen in der Linkspartei. Vorwürfe aus Union und FDP, dass SPD und Grüne im Notfall wie in Hessen und Nordrhein-Westfalen doch ein Linksbündnis schließen würden, wies er zurück. "Wir reden auch nicht über ein Land, wir reden über das stärkste Land Europas", betonte Gabriel. "Da spielt man nicht mit der Regierung. Wenn wir hier keine stabile Regierung haben, dann wackelt der ganze Kontinent."

Die Linkspartei habe Funktionäre, die aus dem Euro austreten wollten, was in Deutschland Tausende Menschen arbeitslos machen würde, sagte Gabriel. "Es geht nicht darum, dass man in die Regierung kommt und dabei das ganze Land gefährdet. Man darf nie ein Regierungsamt so sehr anstreben, dass man bereit ist, dafür sozusagen das Wohl des Landes aufs Spiel zu setzen", sagte der Parteichef. Er warf der Linkspartei zudem antisemitische Tendenzen vor. "Glauben Sie wirklich, die SPD führe ich in eine Koalition mit einer Partei, die ein ungeklärtes Verhältnis zum Antisemitismus hat?"

Auch andere deutsche Sozialdemokraten hatten in den vergangenen Tagen ein Bündnis mit der Linkspartei ausgeschlossen. Union und FDP machen Wahlkampf mit dem Argument, dass man SPD und Grünen nicht trauen können. Nach allen Umfragen werden SPD und Grüne bei der Bundestagswahl in knapp zwei Wochen keine Mehrheit bekommen.