Berlin. "Das musst du mir zugestehen, lieber Frank." "Nein, lieber Gregor." Es kommt höchst selten vor, dass sich deutsche Politiker im Fernsehen duzen, bei einer ARD-Talkshow diese Woche legten SPD-Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier und sein Konterpart bei der Linken, Gregor Gysi, ihre Freundschaft offen. Doch abgesehen von gegenseitiger persönlicher Wertschätzung grenzen sich SPD und Grüne weiter scharf vor der Linkspartei ab - deren acht bis zehn Prozent in der Wählergunst sie für den Sturz von Kanzlerin Angela Merkel benötigen.

Gemeinsamer Nenner: Soziale Gerechtigkeit


Inhaltliche Schnittmengen gäbe es aber genug, insbesondere in der Wirtschafts- und Sozialpolitik: So könnten sich SPD, Grüne als auch Linke auf die Einführung des Mindestlohns einigen. Denn jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland arbeitete 2012 im Niedriglohnbereich, davon geschätzt 1,15 Millionen für weniger als fünf Euro in der Stunde. Derzeit werden die Tarife zwischen Arbeitnehmervertretern und den Arbeitgebern festgelegt. Doch der schwindende Einfluss der Gewerkschaften, die Umwandlung fester Stellen in Zeitarbeitsplätze und Unsicherheiten im Arbeitsrecht verhinderten bisher eine übertarifliche und bundesweite Einigung. "Die erste Maßnahme ist ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro" verspricht das "100-Tage-Programm" von Peer Steinbrücks Kompetenzteam für den Fall einer SPD-geführten Regierung. Das ist auch Konsens bei den Grünen. "Mindestens 10 Euro Mindestlohn" fordert die Linkspartei.

Soziale Gerechtigkeit befürworten in Deutschland eigentlich alle Parteien, nur der Weg zur gerechten Verteilung ist schwer umstritten. Ein populistisches Mittel ist die "Millionärssteuer", welche die Linke in ihrem Wahlprogramm fordert. Eigentlich eine Vermögenssteuer, soll sie erst ab der zweiten Million fünf Prozent des Privatvermögens betragen. Für Firmenvermögen gilt eine Untergrenze von fünf Millionen Euro. Die SPD will sich nun nicht zur "Neidsteuer" äußern, die sie im Jahr 2009 noch selbst ins Gespräch gebracht hat.

Sozialdemokraten für höheren Spitzensteuersatz


Die Sozialdemokraten plädieren für die Erhöhung des Spitzensteuersatzes ab einem jährlichen Einkommen von 100.000 Euro auf 49 Prozent. Die Grünen lassen den neuen Spitzensteuersatz bei bereits 80.000 Euro pro Jahr greifen, die Linke setzt den Höchststeuersatz von 53 Prozent ab 65.000 Euro Jahreseinkommen.