Kiew/Brüssel. Eindringlich, fast schon flehentlich klingen derzeit die Beschwörungen aus der EU in Richtung Kiew: "Die Uhr tickt" - "betreffend Julia Timoschenko muss es eine entschlossene Bewegung geben" - "Die Zeit, um Ergebnisse zu liefern, ist sehr kurz" - "Janukowitsch kann das Abkommen noch retten, wenn er Führung und Verantwortung übernimmt", hieß es seitens hochrangiger EU-Politiker und europäischer Institutionen.

Kein Wunder: Das Rennen um die geplante Anbindung der Ukraine an die Europäische Union, um den Abschluss des seit zwei Jahren fertig verhandelten Assoziierungsabkommens, entwickelt sich immer mehr zum Thriller. Denn die Zeit für den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch läuft ab: Am 28. November wollte man eigentlich auf dem Gipfel der Östlichen Partnerschaft der EU in Vilnius den Vertrag über die Anbindung der Ukraine an die EU unterzeichnen. Damit das fristgerecht über die Bühne geht, sollen die EU-Außenminister am kommenden Montag den Fall entscheiden. Die dafür nötigen Informationen sollten von den Emissären des EU-Parlaments, dem Iren Pat Cox und dem Polen Aleksander Kwasniewski, kommen. Deren Mission in Kiew war offiziell gestern, Mittwoch, ausgelaufen, wurde nun allerdings verlängert. Die beiden Gesandten wollen in der kommenden Woche nach Kiew zurückkehren und dort "alles tun, was für einen Erfolg nötig ist", kündigte Cox an.

Nach einem positiven Ergebnis sieht es zurzeit aber weder für diese Mission noch für die Ukraine aus. Denn manche EU-Staaten fordern bis jetzt vergebens von Kiew die Freilassung von Oppositionschefin Julia Timoschenko - oder wenigstens ihre Ausreise zur medizinischen Behandlung nach Deutschland. Die erkrankte Ex-Premierministerin wurde vor mehr als zwei Jahren zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die EU sprach damals von einem "politischen Urteil" gegen die Symbolfigur der prowestlichen "Orangen Revolution".

Janukowitsch sperrt sich gegen eine Pardonierung seiner schärfsten Rivalin. Er leitete die heiße Kartoffel "Fall Timoschenko" an das Parlament weiter. Timoschenko soll dort höchstens die Ausreise bewilligt werden, an ihrem Schuldspruch soll aber nicht gerüttelt werden. Eine Mehrheit für eine solche "Lex Timoschenko" gäbe es nur mit den Stimmen der prowestlichen Opposition. Diese müsste damit ihre einstige Parteichefin schuldig sprechen - ein Schritt, zu dem sie sich wohl nur schwer durchringen kann.