Kiew. Nach seinem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin wächst der Druck auf den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Die prowestliche Opposition warnte am Samstag vor einer Spaltung des Landes und kündigte eine Ausweitung ihrer Proteste an.

Berichten zufolge unterzeichneten die beiden Staatschefs ein Abkommen und vereinbarten den Beitritt der Ukraine zur Zollunion zwischen Russland, Kasachstan und Weißrussland. Von offizieller Seite wurde dies dementiert.

Im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew demonstrieren Regierungsgegner am Samstag den siebenten Tag in Folge. Die etwa tausend prowestlichen Demonstranten forderten auf dem Unabhängigkeitsplatz bei heftigem Wind und Schneetreiben erneut den Rücktritt der Staatsführung. Berichte über eine Einigung zwischen Janukowitsch und Putin verschärften die Wut der Opposition auf die Regierung.

Angebliche Sofortzahlung von fünf Milliarden Dollar

Der Russland-Experte des britischen "Economist", Edward Lucas, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, Janukowitsch habe ein Abkommen mit Putin unterzeichnet, das eine Sofortzahlung von fünf Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) vorsehe. Zudem sei der Beitritt der Ukraine zu Moskaus Zollunion vereinbart worden. "Ich hoffe, dass sich dies als falsch erweist, aber ich befürchte, es stimmt. Die Quellen sind gut", schrieb Lucas.

Die Kiewer Wochenzeitung "Serkalo Nedeli" berichtete unter Berufung auf Informationen aus Russland, Putin habe der Ukraine einen Kredit in Höhe von zwölf Milliarden Dollar (knapp neun Milliarden Euro) angeboten. Im Gegenzug verzichte Kiew auf eine Annäherung an den Westen. Putin habe zudem vergünstigte Erdgaslieferungen an die Ukraine in Aussicht gestellt.

Ein hochrangiger Vertreter der ukrainischen Regierung versicherte auf AFP-Anfrage jedoch, es seien keine Verträge unterzeichnet worden. Auch die ukrainische Präsidentschaft und Putins Sprecher Dmitri Peskow dementierten die Berichte. "Der mögliche Beitritt der Ukraine zur Zollunion wurde bei dem Treffen in Sotschi nicht diskutiert", sagte Peskow russischen Medien.

"Schaffung einer neuen Sowjetunion"

Die Opposition warnte Janukowitsch vor einer Ausweitung der Proteste. Nach seinen Informationen stehe ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft beider Staaten unmittelbar bevor, sagte Oppositionspolitiker Arseni Jazenjuk. Der Vertrag sei bereits ausgearbeitet und werde am 17. Dezember unterzeichnet. Jegliche Vereinbarung "über die Schaffung einer neuen Sowjetunion" werde zur Spaltung des Landes führen, erklärte Jazenjuk. "Janukowitsch hat nicht das Recht, im Namen des ukrainischen Volkes ein Abkommen zum Beitritt der Ukraine zu der Zollunion zu unterzeichnen."