Straßburg. Die EU will mit neuen Regeln die Überfischung ihrer Gewässer beenden. Das Europaparlament stimmte am Dienstag in Straßburg mit großer Mehrheit für eine nachhaltige Fischereipolitik ab 2014. Mit dieser Reform soll in den EU-Staaten erstmals das Problem der Überfischung konsequent angegangen werden. Knapp verfehlt wurde ein grundsätzliches Verbot der Tiefseefischerei mit Grundschleppnetzen.

Diese als besonders schädlich geltenden Netze sollen nur in bisher unbefischten Gebieten untersagt werden. Nachhaltige Fangquoten sollen schon von 2015 an greifen, Ausnahmen unter strengen Auflagen nur noch bis spätestens 2020 gelten. Innerhalb von sieben Jahren sollen die Fischbestände ein Niveau erreichen, auf dem sie langfristig stabil sind. Ungewollt gefangene Fische dürfen nicht mehr einfach ins Meer zurückgeworfen werden, wo sie anschließend oft wegen ihrer Verletzungen verenden.

"Neuausrichtung war überfällig"

"Eine Neuausrichtung der gemeinsamen Fischereipolitik war überfällig", sagte die SPD-Europaabgeordnete Ulrike Rodust. Die Grünen im EU-Parlament nannten die Reform einen Durchbruch. Sie bemängelten in einer Mitteilung jedoch, dass es keine Anreize gebe, ungewollten Beifang zu vermeiden und artenspezifisch zu fischen. Die neuen Regeln sollen für alle Schiffe unter europäischer Flagge gelten, auch wenn sie außerhalb europäischer Gewässer unterwegs sind.

Aktuell gelten knapp 40 Prozent der Bestände im Nordost-Atlantik als überfischt. Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer trifft dies sogar auf 88 Prozent zu. Vertreter der EU-Staaten, des Europaparlaments und der EU-Kommission hatten sich im Mai auf eine Reform geeinigt.

Die Umweltorganisation Greenpeace bedauerte das gescheiterte grundlegende Verbot der Schleppnetzfischerei in der Tiefsee. Der Meeresboden könne weiterhin mit riesigen Netzen umgepflügt werden, "die alles auf ihrem Weg zerstören", hieß es in einer Mitteilung. Kritik kam auch vom WWF. "Die Beifangraten in der Tiefseefischerei sind haarsträubend, bis zu 100 Arten werden neben der erwünschten mitgefangen, weil die riesigen Netze alles Leben verschlucken", kritisierte die WWF-Expertin Simone Niedermüller.