Frankreichs Staatschef Francois Hollande hat versichert, dass die Franzosen im Falle eines anstehenden EU-Beitritts der Türkei in einem Referendum über das Thema abstimmen würden. Es dürften keine "Ängste" vor einem Beitritt der Türkei geweckt werden, sagte Hollande am Montag bei einem Staatsbesuch in Ankara.

"Das französische Volk wird auf jeden Fall konsultiert", so der Präsident. Hollandes konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy war ein entschiedener Gegner eines EU-Beitritts der Türkei. Ankara verhandelt seit 2005 mit Brüssel über einen EU-Beitritt, kommt dabei aber nur sehr langsam voran. Hollande sprach nun von einem "Prozess", der weitergeführt werden müsse - "die schwierigsten Themen eingeschlossen". Hollande nannte unter anderem die "Gewaltenteilung" und die "Unabhängigkeit der Justiz".

Die Türkei wird derzeit von einem Korruptionsskandal erschüttert, der Regierungschef Recep Tayyip Erdogan unter Druck gesetzt hat. Über eine im Zuge der Affäre geplante, wenn auch inzwischen teilweise auf Eis liegende Justizreform gibt es heftigen Streit. Nach Einschätzung seiner Kritiker will Erdogan mit der Reform die Kontrolle über die Justiz an sich reißen.

Hollande reiste am Montag als erster französischer Staatschef seit 22 Jahren in die Türkei. Am Dienstag nimmt er Termine in Istanbul wahr. Hollande will sich unter anderem für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen mit der Türkei einsetzen.