Wien. Die Zahlen sprechen Bände: 20,9 Millionen Menschen weltweit sind im Jahr 2012 Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit geworden. Davon wurden aber lediglich 7705 Fälle auch strafrechtlich verfolgt.

Diese Daten wurden bei einer zweitägigen Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und des Europarates in der Wiener Hofburg genannt, die gestern, Montag, begonnen hat. Bei dem Treffen sollen Maßnahmen zur gemeinsamen Bekämpfung des Menschenhandels besprochen werden.

"Die kriminellen Netzwerke der Menschenhändler schaden der Gesellschaft auf verschiedene Weise. Die Herausforderung jener Länder, in die Menschen verschleppt werden, liegt darin, die Opfer zu identifizieren und die Straftäter konsequent zu verfolgen. Um erfolgreich zu sein, ist die nationale und internationale Zusammenarbeit unverzichtbar", sagte die Schweizer Bundesrätin und Justizministerin Simonetta Sommaruga. Bei der Konferenz wurde die momentane Lage in 30 europäischen Ländern bewertet. "Obwohl wir einen Fortschritt erzielt haben, liegen noch gewaltige Herausforderungen vor uns", sagte Europarat-Generalsekretär Thorbjörn Jagland.

Vor allem Roma seien laut Jagland nach wie vor stark vom Menschenhandel betroffen. Für sie müsse jegliche Hilfestellung verstärkt werden und auch eine bessere Zusammenarbeit mit Privatunternehmen könne dazu beitragen, Menschenhändler zu identifizieren. Im Laufe der Konferenz werden nun bestehende Probleme und mögliche Lösungsansätze, wie beispielsweise die Vernetzung mit NGOs und eine dementsprechende Ausbildung für Polizisten, besprochen.

Laut der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ist die Umsetzung der Europäischen Menschenrechtskonvention grundlegend für den Kampf gegen den Menschenhandel. Der Menschenhandel würde weiterhin ein zentrales Thema der Politik bleiben: "Das ist ein schwieriges und sensibles Thema, für das wir noch kein Ende sehen, das uns fordert und bei dem wir all unsere Expertise in die Waagschale werfen, um die Opfer in Zukunft in den Mittelpunkt zu stellen", betonte Mikl-Leitner.