Die Positionen Russlands und der westlichen Staaten in Bezug auf die Zukunft der Krim sind allen diplomatischen Bemühungen weiterhin unvereinbar. Der amtierende ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk ist zu Gesprächen bereit, falls Russland seine Truppen abziehe. Das lehnte der russische Präsident Wladimir Putin ab. Er sei vom gestürzten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch schriftlich gebeten worden, die russische Bevölkerung zu schützen und handle daher in voller Übereinstimmung mit dem Völkerrecht.

Nach einem unergiebigen Telefonat mit dem US-Präsidenten Barack Obama sagte Putin, dass Moskau die gegenwärtige ukrainische Führung nicht anerkenne, weil sie durch einen Putsch an die Macht gekommen sei. Außerdem habe sie unzulässige Entscheidungen über den Osten und Südosten des Landes sowie die Halbinsel Krim getroffen.

In Kiew forderte Arseni Jazenjuk abermals den Abzug der russischen Truppen und die Einhaltung internationaler Abkommen. Scharfe Kritik übte er an der für Mitte März geplanten Volksabstimmung auf der überwiegend von Russen bewohnten Halbinsel Krim. Das Ergebnis eines "sogenannten Referendums" über einen Beitritt der Krim zur Russischen Föderation werde von niemandem in der zivilisierten Welt anerkannt werden, sagte Jazenjuk.

Unterstützung fand er bei den Außenministern mitteleuropäischer, baltischer und skandinavischer Staaten, die am Freitag in der estnischen Stadt Narva an der russischen Grenze tagten. Sie verurteilten den "Angriff auf die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine" sowie das "illegale Referendum über einen Beitritt der Krim zu Russland". Polens Außenminister Radoslaw Sikorski forderte zudem einen Ausbau der Reaktions- und Verteidigungsfähigkeit der Europäischen Union (EU). Sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier forderte von der Regierung in Moskau rasche Schritte zu einer Entspannung der Krise.

Timoschenko fordert Sanktionen

Die ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko sprach sich am Rande des Gipfels der konservativen europäischen Parteien in Dublin für sofortige und harte Sanktionen gegen Russland aus. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Timoschenko der Nachrichtenagentur Reuters: "Bisher haben die Instrumente, die die USA und die EU eingesetzt haben, keine fühlbaren Ergebnisse gehabt." Eine russische Annexion der Krim müsse verhindert werden. Auf die Frage, wann weitere Sanktionen kommen müssten, sagte Timoschenko: "Sofort. Sie müssen sehr überzeugend für Putin sein und ein klares Signal senden, dass die Entwicklung nicht toleriert werden kann."

Timoschenko warnte zugleich vor einem Guerilla-Krieg, sollte Russland sich die Krim einverleiben. Sie sieht vor allem die Atommächte USA und Großbritannien in der Pflicht, um Russland zu stoppen, weil sie 1994 im Budapester Memorandum zusammen mit Moskau die territoriale Integrität der Ukraine garantiert hätten.

Angst bei der Minderheit

Die größte Angst vor einer Annexion haben die muslimisch geprägten Tataren, die zwölf Prozent der Bevölkerung der Krim stellen. Die unter Stalin in Todesfahrten nach Zentralasien deportierte Minderheit durfte erst 1967 wieder in ihr altes Siedlungsgebiet zurückkehren.

Aufgrund von Drohungen haben die 280.000 Tataren mit der Organisation von Bürgerwehren begonnen. Zusätzlich angeheizt wird die Stimmung durch die Aussagen nationalistischer ukrainischer Gruppen, die die Tataren zum Partisanenkampf gegen die russischen Truppen auffordern.