Wien/Simferopol. Der OSZE-Sondergesandte Tim Guldimann hat am Donnerstag vor dem Ständigen Rat der OSZE in Wien Bericht über seine Reise auf die Krim erstattet. "Für mich ist es fast ein Wunder, dass bisher kein Blut vergossen wurde", so Guldimann. Der Grund dafür sei die "sehr mäßige Haltung der Regierung in Kiew, die trotz der "Provokationen der unidentifizierten Militärvertreter" keine Schüsse abfeuere.

Der OSZE-Sondergesandte, der gemeinsam mit der OSZE-Hochkommissarin für nationale Minderheiten, Astrid Thors, vergangenen Woche auf die Krim gereist war, habe feststellen können, dass es offenbar zu einer Veränderung des Machtgefüges auf der ukrainischen Halbinsel gekommen sei. Diese sei "durch aktive Maßnahmen unidentifizierter Militärvertreter" - also Soldaten ohne Hoheitsabzeichen - entstanden, berichtete Guldimann.

Polizei kann nicht eingreifen

"Die verfassungsmäßig verankerten Polizeistrukturen werden daran gehindert, ihrer Arbeit nachzugehen, die meisten Gebäude wurden besetzt", so Guldimann weiter. Ihnen sei erklärt worden, sie müssten sich entweder loyal gegenüber den neuen Regierung erklären oder die Krim verlassen. Auch in Schulen und anderen Behörden sei es "zu einer Verlagerung des Machtgleichgewichts zugunsten der neuen Regierung in Simferopol gekommen.

Darüber, wer diese "unidentifizierten Militärvertreter" sind, hatte es in den vergangenen Tagen heftige Diskussionen gegeben. Russland, allen voran der russische Präsident Wladimir Putin, hatte stets dementiert, dass es sich dabei um russische Soldaten handelt. Zuletzt räumte ein hochrangiger russischer Duma-Abgeordneter jedoch indirekt eine russische Militärpräsenz auf der Krim ein. Auch ein der APA vorliegender Bericht der OSZE-Beobachtermission auf der Krim, spricht von "deutlichen Beweisen" für eine russische Militärpräsenz auf der Halbinsel.

Guldimann kündigte an, kommende Woche erneut in die Ukraine reisen zu wollen, und neben Kiew vor allem die Ostukraine besuchen zu wollen.