Wien/Frankfurt. EZB-Chef Mario Draghi rechnet für heuer und im kommenden Jahr mit einer wirtschaftliche Belebung in der Eurozone. "2014 und 2015 wird eine Periode der Erholung sein. Aber der Aufschwung steht unter Vorbehalt", sagte Draghi am Donnerstagabend bei einer Ehrung in Wien.

Es sei notwendig die Politikmaßnahmen in der Eurozone, die das Vertrauen zurückgebracht haben, weiterzuverfolgen: Eine wachstumsfreundliche Budgetkonsolidierung, strukturelle Reformen mit dem Ziel Investments und Produktivität zu erhöhen sowie eine engagierte Geldpolitik, welche die Integrität des Euros verteidigt. Die EZB werde "im speziellen das Risiko von zu hoher, und derzeit mehr relevant, zu niedriger Inflation" im Auge behalten, sagte der Notenbank-Präsident.

Bankenprüfung und SSM
Die Erholung in der Eurozone sei aber auch von den Maßnahmen abhängig, die unternommen wurden, um das Finanzsystem zu "rebooten" (neu zu starten, Anm.). Dies umfasse unter anderem die umfassende Bankenprüfung, welche vor dem Start des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (SSM) im November stattfindet.

Dem EZB-Präsidenten wurde am Donnerstagabend der Schumpeter-Preis in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Wien verliehen. Draghi erhielt die Auszeichnung von der Wiener Schumpeter Gesellschaft.

Draghi zog einen Vergleich zwischen den Arbeiten des österreichischen Ökonomen Alois Schumpeter und der "Reparatur der Bankbilanzen" in Europa. Die große Frage sei wie schnell und in welcher Form das Banken-"Deleveraging" - die Verringerung des Kreditvolumen im Verhältnis zu ihrem Eigenkapital - stattfinden sollte. "Mit Unterstützung der 'schöpferische Zerstörung' im Bankensektor, können wir die "schöpferische Zerstörung" in der Wirtschaft fördern und die Erholung unterstützen", so der EZB-Chef. Das Aufräumen und die Reparatur der Bankbilanzen in Europa helfe wieder Ressourcen in den produktiven Sektor zu lenken und verhindere "Zombiebanken".

Die aktuell niedrige Inflation in der Eurozone hält Draghi derzeit für noch nicht problematisch: "Das Risiko von Deflation, was damit den Schuldenabbau erschwert, ist ziemlich limitiert. Aber umso länger die Inflation in der Eurozone niedrig bleibt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit von auftauchenden Risiken", betonte Draghi in seiner Rede. Deswegen habe die EZB auch weitere "Nicht-Standard"-Maßnahmen der Geldpolitik ergriffen, um mögliche Schäden zu verhindern. In Zeiten niedriger Inflation werde aber der deutliche Anstieg des Euro-Kurses immer relevanter, wenn es darum gehe die Stabilität des Preisniveaus in der Eurzone zu beurteilen.