Kiew/Wien. Nach der deutlichen Zustimmung der Bevölkerung auf der ukrainischen Halbinsel Krim zum Beitritt zur Russischen Föderation fielen erste internationale Reaktionen in der Nacht auf Montag unterschiedlich aus. Tschechiens Ex-Außenminister Karl Schwarzenberg fordert, mit "aller Entschiedenheit" gegen Moskau vorzugehen. Der Schweizer Präsident Didier Burkhalter setzt weiter auf Diplomatie.

"Wenn man ein solches Vorgehen toleriert, ist das eine Ermutigung weiterzugehen, bis der große Konflikt unvermeidbar ist", sagte Schwarzenberg im Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN, Montagsausgabe). Die EU fürchte unter anderem um die Verteuerung von Erdgas, aber "eine Auseinandersetzung erfordert immer auch, dass man eigene Mittel opfert. Umsonst kriegt man nichts im Leben - auch nicht die Freiheit", so der Chef der liberal-konservativen Oppositionspartei TOP 09.

Auf die Frage, ob sich der Konflikt auf die Ostukraine ausweiten könnte, antwortete Schwarzenberg: "Das Essen macht erst den Appetit. Man hat ja schon praktisch folgenlos durchgehen lassen, dass Putin Südossetien und Abchasien besetzt hat, jetzt verspeist er die Krim - und sein Hunger wird dadurch nur noch größer."

Brok: "Referendum nicht rechtskonform"

Der EU-Parlamentarier und Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, Elmar Brok, forderte noch härtere Sanktionen gegen Russland, als sie die EU-Außenminister am Montag in Brüssel beschließen wollen. "Weder der russische Einmarsch auf der Krim noch das Referendum sind rechtskonform. Das kann man keinesfalls akzeptieren", sagte Brok der "Passauer Neuen Presse" (Montagsausgabe). Der CDU-Politiker fordert "eine Reaktion, die Russland schmerzt". Russland sei in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Es lebe fast nur von Öl- und Gasverkäufen. "Wenn der Kreml auch weiter nicht zu Gesprächen bereit ist, muss es weitere Sanktionen geben, die uns natürlich auch selbst treffen würden", sagte Brok. "Kurzfristiges Gewinndenken kann langfristig unsere Chancen auf eine freiheitliche Entwicklung in Europa gefährden.

Burkhalter betonte indes, dass noch immer die Bereitschaft bestehe, die Krise auf diplomatischem Wege beizulegen. Er habe "alle Seiten dazu aufgerufen, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen und einseitige Aktionen zu unterlassen, die weitreichende Konsequenzen" haben könnten, so der derzeitige Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Von den OSZE-Mitgliedern verlangte Burkhalter, die Probleme durch Dialog, mit friedlichen Absichten und unter Respektierung internationalen Rechtes zu lösen. Die "schädliche Dynamik" dürfe sich nicht weiter entwickeln.