Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hat das Referendum über einen Beitritt der Krim zu Russland als "große Farce" bezeichnet. Moskau versuche dadurch seine "anhaltende Aggression auf der Krim" zu verschleiern, sagte Turtschinow am Montag im Parlament in Kiew. Das Ergebnis des Referendums werde "weder von der Ukraine noch von der zivilisierten Welt jemals anerkannt". Der Interimspräsident rief die Abgeordneten auf, einer Teilmobilisierung der ukrainischen Truppen zuzustimmen.

Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko forderte unterdessen Strafmaßnahmen gegen Verantwortliche auf der Halbinsel und in Moskau. "Alle an der militärischen Aggression gegen unseren Staat Beteiligten müssen persönliche internationale Verantwortung tragen", hieß in einer Mitteilung, die Timoschenkos Vaterlandspartei am Montag in Kiew veröffentlichte. Die Volksbefragung am Vortag sei ein "ungesetzliches Abenteuer" gewesen. "Die Krim ist und bleibt für immer ukrainisch, ungeachtet der Versuche einer russischen Okkupation", betonte die Politikerin, die sich derzeit in Berlin ärztlich behandeln lässt.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat zeigte sich "zutiefst enttäuscht und zudem besorgt", dass die Abstimmung die Situation nur noch verschärfen werde. Er rief alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf und forderte eine Verpflichtung zu Deeskalation und nationalem Dialog. "Eine Verschlechterung der Situation wird ernste Auswirkungen für die Menschen in der Ukraine, der Region und darüber hinaus haben."

Laute einem von US-Präsident Barack Obama veröffentlichten Statement unterstützen die USA "die Unabhängigkeit, die Souveränität und die territoriale Integrität der Ukraine" und weist das Referendum zurück, dessen Ergebnis "unter der Androhung von Gewalt und Einschüchterung" zustande gekommen sei.

Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow (83) hält hingegen die Voraussetzungen für einen Beitritt der Krim zu Russland für erfüllt. "Die Menschen wollen es, und das bedeutet, dass man ihnen entgegenkommen muss", sagte der frühere Sowjetpräsident am Montag der Agentur Itar-Tass in Moskau. Vor einigen Tagen hatte er den damaligen Präsidenten Boris Jelzin (1931-2007) dafür kritisiert, dass dieser bei der "Zerstörung der Sowjetunion" 1991 keine tragfähige Lösung für die Krim gefunden habe.