Rom. Dass der Unmut über die italienische Zentralregierung in Rom in den Krisenjahren noch größer wurde, weiß jeder Politiker in der an Österreich grenzenden Region Veneto. Jetzt will die parteiübergreifende Bewegung "Plebiscito.eu" ermitteln, wie viele Bürger die Idee der Selbstbestimmung des Veneto unterstützen.

Bis zum 21. März ruft die Bewegung alle Wahlberechtigten in der Region auf, sich an einem Online-Referendum zum Thema Unabhängigkeit zu beteiligen. Die Fragestellung lautet: "Wollen Sie, dass der Veneto eine föderale, unabhängige und souveräne Republik wird?" Laut dem Initiator der Referendumskampagne, Gianluca Busato, haben sich bereits 200.000 Wähler auf der Webseite www.plebiscito.eu eingeloggt, um an der Befragung teilzunehmen.

Die Referendumsteilnehmer sind auch dazu aufgerufen, ein Komitee aus zehn Personen zu wählen, die sich um die Umsetzung des Referendumsantrags bemühen sollen, sollten die Ja-Stimmen überwiegen. "Wir denken, dass sich bis zu zwei Millionen Menschen an der Volksbefragung beteiligen werden", sagt Busato. Bei einem mehrheitlichen Ja würden sich die Separatisten in Brüssel einschalten, um aufgrund des internationalen Rechts zur Unabhängigkeit zu gelangen.

Unabhängigkeit als Fernziel


"Unser Ziel ist es, über einen demokratischen Weg die Unabhängigkeit Venetiens von Italien zu erreichen. Dieser Weg führt über ein Referendum, das auf internationalem Recht fußt. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist im New Yorker Pakt über bürgerliche und politische Rechte des Jahres 1967 verankert. Die Einwohner Venetiens sind ein Volk und haben ein Recht auf Selbstbestimmung", so Busato.

Regionalgouverneur Luca Zaia von der Lega Nord unterstützt die Aktion. "Wir zahlen Rom 70 Milliarden Euro Steuer, 9 Milliarden sind allein die Zinsen, die wir für die gewaltige Verschuldung Italiens zurückzahlen müssen. Die Selbstbestimmung würde uns erlauben, dieses Geld auf lokaler Ebene zu verwalten", sagt Busato.

Nach Ansicht der Separatisten hätte der Kleinstaat Venetien im globalen Umfeld beste Überlebenschancen. Venetien und Friaul zählen zusammen sechs Millionen Einwohner. Österreich hat acht Millionen Einwohner, Dänemark und Finnland fünf Millionen, Slowenien zwei Millionen. Zwei Drittel der EU-Mitglieder sind Länder mit weniger als zehn Millionen Einwohnern. "Mit einem unabhängigen Staat könnten wir den Steuerdruck setzen, damit könnten wir auch die Abwanderung der Unternehmen in Richtung Kärnten stoppen", betont Busato.