Kiew. Nach dem international nicht anerkannten Anschluss der Krim hat Russland freies Geleit für ukrainische Soldaten von der Halbinsel angeordnet. Konkret geht es um einen 61 Mann starken Teil einer Luftlandebrigade. Die Soldaten wollen ihren Dienst in der ukrainischen Armee fortsetzen. Die moskautreue Krimführung hatte im Gegenzug für den Abzug verlangt, dass die Militärs ihre Ausrüstung zurücklassen.

Nun befahl der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu, die Soldaten könnten mit eigenen Fahrzeugen abrücken. Sie sollen bis zur Grenze von russischer Militärpolizei eskortiert werden.

"Männer heulen nicht"

Der kommissarische ukrainische Verteidigungsminister Igor Tenjuch warf Kommandanten auf der Krim "schwache Moral" vor. "Männer heulen nicht", entgegnete Tenjuch dem Befehlshaber einer Armee, der sich über mangelnde Unterstützung und fehlende Anordnungen des Generalstabs beklagt hatte. Das meldete die Agentur Unian am Samstag.

Die Armee sei in den vergangenen Jahren schlecht ausgebildet und nicht auf den Ernstfall vorbereitet gewesen, kritisierte Tenjuch. Marinechef Sergej Gajduk betonte, die Soldaten auf der Krim müssten ihre Kriegsschiffe und Stützpunkte sichern. Ein Abzug komme nicht infrage, sagte Gajduk in einer Sendung des Fernsehkanals TSN.

U-Boot übernommen

Trotzdem gelang es der russischen Marine das einzige ukrainische U-Boot zu übernehmen. Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte hätten in der Strelezki-Bucht bei Sewastopol die "Saporoschje" mit dem Einsatz von Blendgranaten zur Aufgabe gezwungen, so "Kanal 5". Das Boot sei nun offiziell in die Schwarzmeerflotte aufgenommen, so der Kommandant der russischen U-Boot-Kräfte.

Wie das russische Portal flot.com berichtete, habe die "Saporoschje" mit 78 Mann Besatzung einer Übernahme durch die Schwarzmeerflotte zugestimmt. Bereits am Donnerstag hatten russische Marinekräfte drei ukrainische Korvetten auf der Krim besetzt. Das Unterseeboot mit dieselelektrischem Antrieb gehört zur noch aus Sowjetzeiten stammenden Foxtrot-Klasse und wurde 1970 gebaut. Wegen fehlender Mittel für eine Reparatur bzw. notwendigster Instandsetzung lag das U-Boot seit den 1990er Jahren zumeist im Trockendock in Sewastopol. Zuletzt war auch über einen Verkauf spekuliert worden.

Laut dem Chef der russischen U-Boot-Waffe, Admiral Anatoli Warotschkin, wolle etwa die Hälfte der 78 Mann Besatzung in der russischen Marine dienen. Die übrigen Soldaten hätten das U-Boot verlassen, hieß es gegenüber Staatsagentur Ria Nowosti am Samstag.

Militärbasis eingenommen

Bewaffnete mit gepanzerten Fahrzeugen haben am Samstag eine weitere ukrainische Luftwaffenbasis auf der Krim gestürmt. Eines der Fahrzeuge durchbrach das Tor des Militärstützpunktes Belbek in der Nähe von Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. Daraufhin stürmten Bewaffnete auf das Gelände, feuerten Schüsse in die Luft und hielten ukrainische Soldaten mit automatischen Gewehren in Schach.