Istanbul. Trotz Korruptionsskandalen und internationaler Kritik ist der Rückhalt für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan nach wie vor groß. Bei den Kommunalwahlen konnte seine islamisch-konservative Partei AKP massiv zulegen. Nach Auszählung von rund der Hälfte der Stimmen kommt die AKP auf 44 bis 46 Prozent. Das wäre deutlich mehr als die 38,8 Prozent, die die Partei bei der Kommunalwahl 2009 holte. Die größte Oppositionspartei CHP erreicht 23 bis 28 Prozent.

Nun droht Erdogan seinen politischen Gegnern mit Konsequenzen. Er wirft ihnen Verschwörung und Geheimnisverrat vor: "Sie werden dafür zahlen." Erdogan sprach in der Nacht auf Montag vom Balkon der AKP-Zentrale in Ankara, wo ihm Tausende Anhänger zujubelten. "Dies ist der Hochzeitstag der neuen Türkei", sagte er. "Heute ist der Tag des Sieges der neuen Türkei, 77 Millionen sind vereint als Brüder."

Der Regierungschef stand zuletzt wegen eines Korruptionsskandals unter Druck. International erntete er harsche Kritik, als er den Zugang zu Internetdiensten wie Twitter und Youtube sperren ließ. Nach einem Jahr heftiger politischer Auseinandersetzungen um seinen autoritären Regierungsstil kündigte Erdogan nun an, er werde an seinem Kurs festhalten. Im August will er sich nach mehr als zehn Jahren an der Regierungsspitze zum Staatspräsidenten wählen lassen.

Noch während der Auszählung kam es zu heftigem Streit zwischen AKP und CHP. Die Kandidaten der Parteien beanspruchten den Sieg in Istanbul und Ankara jeweils für sich. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Manipulationen vor. Vizeregierungschef Bülent Arinc (AKP) sagte: "Die AKP ist Sieger dieser Wahl. Alle andere haben verloren."

Bei Auseinandersetzungen am Wahltag wurden mindestens acht Menschen getötet. In zwei Ortschaften der südlichen Provinzen Hatay und Sanliurfa habe es Schießereien zwischen Angehörigen einzelner Kandidaten gegeben, berichteten türkische Fernsehsender. In mehreren anderen Wahllokalen kam es zu Übergriffen.

Aktivisten berichteten zudem über Anzeichen von Wahlbetrug. Gerade in umkämpften Städten kam es immer wieder zu Stromausfällen. Türkische Medien berichteten, die Polizei habe ihre Einsatzkräfte rund um den Istanbuler Taksim-Platz verstärkt, um auf mögliche Proteste vorbereitet zu sein. Die Spannungen hatten sich verschärft, während türkische Medien widersprüchliche Ergebnisse veröffentlichten.