Aus diesem Grund fordern Organisation wie die FIDH die Schaffung von legalen Migrationsrouten in die EU, um Flüchtlinge von gefährlichen Bootsüberfahrten abzuhalten. Entsprechende Pläne gibt es auch in der EU-Kommission. Mittels sogenannten Mobilitätsabkommen und dem eigenen Programm GAMM (Global Approach to Migration and Mobility) sucht die Kommission die Zusammenarbeit mit Nachbarländern - einerseits zur Schaffung ebensolcher legaler Routen, andererseits zum Kampf gegen Schlepperbanden. Booth sieht in diesen Programmen allerdings nur ein weiteres Mittel, Asylsuchende davon abzuhalten, überhaupt einen EU-Staat zu erreichen.

Das zentrale Problem der ungleichen Lastenverteilung ist damit allerdings nicht gelöst. Für Migrationsforscher Oltmer ist es jedoch der Ansatzpunkt für Reformen: "Gäbe es eine Regelung, wonach an den Grenzen der EU eintreffende Menschen anhand eines Schlüssels auf die einzelnen Staaten verteilt werden, könnten manche Probleme beseitigt werden." Die Asylpolitik könne damit als gemeinsame europäische Aufgabe verstanden werden. Das geht jedoch nur mit der Abkehr von den Prinzipien der Dublin II abkommen und dafür braucht es die Zustimmung aller Mitgliedsländer der EU.

Wie wenig ausgeprägt die entsprechende Bereitschaft seitens der Mitgliedsländer ist, lässt ein gemeinsames Neuansiedlungsprogramm der EU vermuten, anhand dessen Asylsuchende, die in Flüchtlingslagern außerhalb der EU auf die Einreise warten, innerhalb der gesamten Union verteilt werden sollten. Im Jahr 2012 beispielsweise haben sich nur elf EU-Mitgliedsländer an diesem Programm beteiligt.