Sarajewo/Banja Luka. Ein russischer Kredit für den kleineren bosnischen Landesteil, die Republika Srpska, sorgt für Aufsehen in Bosnien-Herzegowina. Der Kredit, dessen voller Umfang noch nicht bekannt ist, soll nämlich dem für seine separatistischen Bestrebungen bekannten Präsidenten der Republik Srpska, Milorad Dodik, bei einem kürzlichen Moskau-Besuch zugesichert worden sein.

Dodik zufolge soll die kleine Entität demnächst Kreditmittel in der Höhe von 70 Millionen Euro erhalten, bis Jahresende sollen weitere 200 Millionen folgen. Die Kreditbedingungen sind der Öffentlichkeit bisher unbekannt geblieben, auch die Namen der zwei Banken, welche die Kreditmittel angeblich sichern werden.

Beobachter vermuten, dass der Kredit eine Festigung des russischen Einflusses im bosnisch-serbischen Landesteil bedeuten dürfte. Dodik zieht dieser Tage immer wieder Parallelen zwischen dem Kosovo und der ukrainischen Halbinsel Krim und spricht in diesem Zusammenhang von der Unabhängigkeit der Republika Srpska als einer "Option" und einem Unabhängigkeitsreferendum.

Aus der bosnisch-serbischen Regierung kommen unterdessen völlig widersprüchliche Informationen zum russischen Kredit. Wenngleich wegen höherer Zinsen teurer, sei er günstiger als ein Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF), da er nicht an politische Bedingungen geknüpft sei, erläuterte Ministerpräsidentin Zeljka Cvijanovic, eine Spitzenfunktionärin der Dodik-Partei. Ihr Finanzminister Zoran Tegeltija sagte aber, dass im Zusammenhang mit dem russischen Kredit derzeit politische Gespräche laufen und die Kreditbedingungen erst danach bekannt würden.

Der IWF hatte Mitte März die Auszahlung der siebenten Tranche eines im Jahr 2012 mit Bosnien vereinbarten Kredites in der Gesamthöhe von rund 600 Millionen Euro eingefroren. Grund war die ausgebliebene Reform des Arbeitsrechtes. In der Republik Srpska wird mit einer Fortzahlung des IWF-Kredites offenbar nicht mehr gerechnet.

Im Herbst stehen im Westbalkanland allgemeine Wahlen an. Vor diesem Hintergrund wird nicht ausgeschlossen, dass der russische Kredit eigentlich dazu dienen soll, die schwierige Soziallage zu lindern und den Wahlkampf, der bereits im Gange ist, zu finanzieren.