Skopje/Wien. Blockierte EU- und Nato-Annäherung, ethnische Spaltung sowie schlechte wirtschaftliche und soziale Lage: In Mazedonien geben vor der Präsidentschaftswahl am Sonntag gleich mehrere Faktoren Anlass zur Sorge. Amtsinhaber Gjorge Ivanov von der nationalkonservativen Vmro-Dpmne liegt laut Umfragen dennoch mit 30 Prozent in Führung und hat sehr gute Chancen auf die Wiederwahl - spätestens bei der Stichwahl in zwei Wochen, dann finden auch Parlamentswahlen statt.

Für den mazedonischen Analysten Saso Ordanoski ist mit den Nationalkonservativen "der Populismus voll an der Macht", wie er diese Woche bei einer Podiumsdiskussion sagte. Seit seiner Amtsübernahme vor acht Jahren habe Premier Nikola Gruevski ein umfassendes Subventionssystem geschaffen und die Zahl der Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung von 96.000 auf 200.000 gesteigert. Der Staat sei "größter Arbeitgeber" und "größter Geschäftsmann". Arbeit gebe es nur mit dem richtigen Parteibuch.

Kein Kompromiss mit Athen


Als "zweite Säule der Macht" beschreibt der Analyst die Herausbildung einer mazedonischen Identität - etwa in Form des monumentalen Großprojektes "Skopje 2014" mit Bauten und Denkmälern in neu-klassizistischem Stil, die an das antike Makedonien von Alexander dem Großen gemahnen. Dieser Nationalismus beinhalte zumindest nach außen hin keinen Kompromiss im Namensstreit mit Athen. Denn Griechenland mit seiner eigenen Region Makedonien sieht im Namen des Nachbarn Republik Mazedonien den Anspruch auf das Kulturerbe Alexanders des Großen. Es hat daher sein Veto gegen den Nato-Beitritt Mazedoniens eingelegt und blockiert seit Jahren die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen.

Spannungen gibt es auch immer wieder zwischen der slawischen und der albanischen Volksgruppe in Mazedonien, die rund 25 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Nachdem 2001 ein Bürgerkrieg mit albanischen Milizen gerade noch abgewendet werden konnte, wurde durch das sogenannte Ohrid-Abkommen ein Ausgleich mit Quotensystemen geschaffen. Für Ordanoski ist das "spezifische Verhältnis", das nunmehr "mehr von Verachtung denn Aggression" gekennzeichnet sei, die dritte Säule der Macht der Nationalkonservativen. Die Vmro-Dpmne regiert mit der Albaner-Partei Dui des ehemaligen Rebellenführers Ali Ahmeti als Mehrheitsbeschafferin, das Verhältnis ist jedoch angespannt. Ordanoski: "Sie akzeptieren die Albaner, weil sie es müssen." Der Dui gebe man, was ihr zustehe, dafür müsse sie aber "den Mund halten".

Wie eine Lösung herbeigeführt werden kann, ist völlig unklar. Genauso, wer zur Besserung der Lage beitragen kann. Mazedonien liegt potenziell mit Griechenland, Bulgarien - das die eigenständige sprachliche und ethnische Identität der slawischen Mazedonier ebenfalls infrage stellt -, Albanien und dem Kosovo im Clinch. Sollten sich die Spannungen verschärfen, droht ein ernsthafter regionaler Konflikt.