Slawjansk/Kiew/Moskau/Brüssel. Wegen der anhaltenden Unruhen und Zusammenstöße im Osten der Ukraine will die Regierung einen "vollständigen Anti-Terror-Einsatz" unter Beteiligung des Militärs. Das erklärte der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Sonntagnachmittag nach einer Sondersitzung des nationalen Sicherheitsrates.

Russland trage einen Krieg gegen die Ukraine aus und stifte weiter Unruhe im Osten des Landes, so Turtschinow in seiner Rede, die im staatlichen Fernsehen übertragen wurde. Der Interimspräsident bot den pro-russischen Demonstranten an, von einer strafrechtlichen Verfolgung abzusehen, sollten sie bis Montagfrüh ihre Waffen freiwillig niederlegen.

Russland warnt vor Militäreinsatz gegen Separatisten

Russland hat die pro-westliche Regierung in Kiew vor einem Militäreinsatz gegen Separatisten in der Ostukraine gewarnt. Moskau sei "empört über den verbrecherischen Befehl" von Übergangspräsident Alexander Turtschinow, der die Proteste von der Armee niederschlagen lassen wolle, teilte das Außenamt in Moskau am Sonntag mit.

Russland trete dafür ein, die Krise von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und dem UNO-Sicherheitsrat untersuchen zu lassen. "Gerade vom Westen hängt es jetzt ab, einen Bürgerkrieg in der Ukraine zu vermeiden." Nötig sei eine "radikale Verfassungsreform" im Nachbarland. Kiew lehnt dies ab.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor gewarnt, dass jede militärische Aktion der Ukraine die diplomatischen Bemühungen und geplante Friedensgespräche in Gefahr bringe. Am Donnerstag findet in Genf ein Krisentreffen von Vertretern Russlands, der Ukraine, der EU und der USA statt.

"Tote und Verletzte" bei Kämpfen in Slawjansk

Zuvor sind die Spannungen im Osten der Ukraine in blutige Gewalt umgeschlagen. Bei einem Polizeieinsatz gegen pro-russische Gruppen in der Stadt Slawjansk wurden nach Angaben von Innenminister Arsen Awakow vom Sonntag ein Geheimdienstagent und mehrere prorussische Milizionäre getötet.

Awakow warf den "Separatisten" vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Er ordnete Sonntag früh einen "Anti-Terror-Einsatz" an, nachdem am Vortag bewaffnete prorussische Gruppen in Slawjansk Gebäude von Polizei und Geheimdienst besetzt hatten. Wie ein AFP-Reporter berichtete, war das umkämpfte Polizeikommissariat der Stadt zu Mittag weiterhin in der Hand pro-russischer Kräfte. Hubschrauber kreisten im Tiefflug über der Stadt, Bewohner bewachten die rund um das Kommissariat errichteten Barrikaden. Awakow warf den Milizen vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. An einer Zufahrtsstraße nach Slawjansk errichteten Milizionäre eine Straßensperre.