Sofia. Russland setzt seine Aufklärungsflüge an der Grenze zum bulgarischen Luftraum über dem Schwarzen Meer fort. "Das ist eine Provokation", erklärte der bulgarische Verteidigungsminister Angel Najdenow in einem Interview für die Sofioter Tageszeitung "24 Tschassa" am Montag. Seit der "Annexion" der Krim verletze Russland beständig das Gleichgewicht im Schwarzmeerraum.

Najdenow fügte ausdrücklich hinzu, dass die russischen Kampfjets den bulgarischen Luftraum nicht verletzten. "Sie fliegen aber nicht, um etwa den Urlaubern an der Küste zu winken", so der Minister. Das Verteidigungsministerium beobachte die Situation aufmerksam und werde sich gegebenenfalls an die Nato um Unterstützung wenden, erklärt Najdenow.

Nato überlegt Stationierung von Soldaten
Bei seiner Überraschungsvisite in Sofia hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Freitag nicht ausgeschlossen, Nato-Soldaten in Bulgarien zu stationieren. Allerdings erst nach einer Aktualisierung der Nato-Verteidigungspläne in den kommenden Tagen.

Die Flüge von russischen Kampfflugzeugen über dem Schwarzen Meer hatten Anfang April begonnen. Dem Staatspräsidenten und Oberkommandierenden der bulgarischen Armee Rossen Plewneliew zufolge fliegen russische MiG-29-Jets zwei bis drei Mal wöchentlich über dem Schwarzen Meer. "Früher waren es zwei bis drei Mal im Jahr", zitierten ihn frühere Medienberichte. Unterdessen bleibt auch Bulgarien in der Ukraine-Krise nicht völlig neutral - bereits zweimal beteiligte sich das Land an gemeinsamen Marineübungen mit Rumänien und den USA im Schwarzen Meer.