Tokio/Kiew/Moskau. Die russische Regierung verstößt nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama gegen die Genfer Vereinbarung zur Ukraine. Sollte sich Russland auch weiterhin nicht daran halten, müsse es mit zusätzlichen Sanktionen rechnen, sagte Obama am Donnerstag in Tokio. Russland könne dies vermeiden, wenn es seinen Kurs ändere. Die bisherigen Anzeichen machten ihm aber wenig Hoffnung, dass die Regierung in Moskau dies tun werde, sagte der US-Präsident. Es sei ein kollektiver Druck der internationalen Gemeinschaft nötig.

In Genf war vereinbart worden, dass alle illegalen bewaffneten Gruppen entwaffnet und alle illegal besetzten Gebäude und Plätze in der Ukraine geräumt werden müssten. Die USA und die EU betonen, dass damit besonders die Entwaffnung der prorussischen Separatisten in der Ostukraine gemeint sei. Russland fordert, dass die Übergangsregierung in Kiew auch die nationalistischen Milizen etwa des rechtsradikalen "Rechten Sektors" entwaffnet.

Obama hält sich im Rahmen seiner Asien-Reise derzeit in Japan auf. Er besucht auch Südkorea, Malaysia und die Philippinen.

Angriff auf Militärstützpunkt

In der Nacht auf Donnerstag haben ukrainische Soldaten nach Angaben der Regierung einen Angriff auf einen Militärstützpunkt im Osten des Landes abgewehrt. Ein Soldat sei bei dem Überfall auf die zwischen den Städten Donezk und Slawjansk gelegene Basis Artemiwsk verletzt worden, teilte Innenminister Arsen Awakow via Facebook mit.

Die rund 70 Angreifer seien von russischen Soldaten angeführt worden. Über Opfer in den Reihen der Angreifer sei nichts bekannt. In der Schwarzmeerstadt Mariupol hätten pro-russische Separatisten dagegen das Rathaus wieder geräumt, erklärte der Minister. Der Bürgermeister sei wieder in seinem Büro. Dies stehe im Einklang mit den bei den Genfer Verhandlungen mit Russland vor einer Woche erzielten Vereinbarungen.