Skopje. In Mazedonien haben am Sonntag die vorgezogene Parlaments- und die Präsidentenstichwahl begonnen. Die seit acht Jahren an der Macht befindlichen Nationalkonservativen (VMRO-DPMNE) von Ministerpräsident Nikola Gruevski können laut einer Umfrage mit einer absoluten Mehrheit rechnen.

Dafür bräuchten sie 62 der 123 Parlamentssitze. Aber selbst wenn eine Alleinregierung möglich wäre, dürfte die VMRO-DPMNE (Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation-Demokratische Partei für die Nationale Einheit) weiterhin mit einer Partei der albanischen Volksgruppe gemeinsam regieren. Derzeit ist das die DUI (Demokratische Integrationsunion), der 15 Sitze vorhergesagt wurden.

Wiederwahl von Amtsinhaber wahrscheinlich

Der oppositionelle Sozialdemokratische Bund (SDSM) kann mit 31 Sitzen rechnen, die Demokratische Partei der Albaner (DPA) mit zehn.

Die Präsidentstichwahl dürfte die Wiederwahl von Amtsinhaber Gjorge Ivanov bringen. 33,8 Prozent der Befragten gaben an, für den VMRO-DPMNE-Kandidaten stimmen zu wollen, 14,2 Prozent für seinen sozialdemokratischen Herausforderer Stevo Penardovski.

Die vorgezogene Parlamentswahl brach die DUI vom Zaun, nachdem die Nationalkonservativen keinen gemeinsamen Kandidaten für die Präsidentenwahl mit ihr aufstellen wollten. Die DUI rief deshalb auch zum Boykott der Präsidentenwahl auf.

Mazedonien ging ohne Krieg aus Jugoslawien hervor. 2001 kam es aber zum bewaffneten Konflikt mit albanischen Rebellen. Das Abkommen von Ohrid sieht für die Albaner, die rund ein Viertel der Bevölkerung stellen, mehr Rechte vor.

Stillstand bei EU- und NATO-Beitritt

Bei der angestrebten EU- und NATO-Integration tritt Mazedonien mit seinen zwei Millionen Einwohnern seit Jahren auf der Stelle. Grund ist die Blockadepolitik Athens im Streit mit dem Nachbarn um den Staatsnamen. In Griechenland gibt es eine Region mit dem Namen Makedonien.

Kritiker von Premier Gruevski meinen, dass ihm dieser Stillstand nicht unrecht kommt, kann er doch so von internen Problemen wie der Arbeitslosigkeit ablenken. Kritiker werfen dem Regierungschef vor, ein korruptes System errichtet zu haben, in dem er den öffentlichen Sektor, den er beherrscht, aufgebläht hat und seine Parteigänger so mit Jobs versorgt. Er habe auch die Medien gleichgeschaltet. Auf der Suche nach einem besseren Leben sind in den vergangenen Jahren Schätzungen zufolge 450.000 Mazedonier ausgewandert.