Kiew/Moskau. Die Europäische Union hat angesichts der Kämpfe zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten in der östlichen Ukraine erneut eine "Deeskalation" der Krise gefordert. "Wir verfolgen die Lage in der Ostukraine mit zunehmender Besorgnis", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Freitag in Brüssel.

Die EU fordere "so rasch wie möglich" eine Umsetzung des Genfer Abkommens, das auch eine Räumung besetzter Gebäude vorsieht. "Das muss mit Zurückhaltung geschehen", sagte sie zur Räumung von Gebäuden. "Aber diese Gebäude müssen geräumt werden." Die Frage, ob das Vorgehen der staatlichen Stellen der Ukraine eine Deeskalation darstelle, wollte sie nicht beantworten: "Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Wir brauchen eine Deeskalation. Alle unsere Bemühungen gehen in diese Richtung." Alle illegal festgehaltenen Personen einschließlich der OSZE-Militärbeobachter müssten freigelassen werden.


Auch die russische Regierung hat vor dramatischen Folgen des Vorgehens der ukrainischen Armee gegen die Separatisten im Osten des Landes gewarnt. Der Einsatz gegen das eigene Volk sei ein "Verbrechen" und führe das Land in die "Katastrophe", erklärte das Außenministerium in Moskau am Freitag.

Moskau forderte außerdem in seiner Erklärung den Westen auf, seine "destruktive Politik" bezüglich der Ukraine zu beenden. Das Ministerium warf der Übergangsregierung in Kiew vor, in der Stadt Slawjansk einen "Vergeltungseinsatz unter Beteiligung der Terroristen" der rechtsextremen Gruppierung Prawy Sektor gestartet zu haben.

Regierungstruppen starteten Offensive

Ukrainische Regierungstruppen haben einen Angriff auf die prorussischen Milizen bei den Städten Slawjansk und Kramatorsk im Osten des Landes begonnen. Einheiten von Armee, Nationalgarde und Innenministerium hätten mehrere Kontrollpunkte der Separatisten unter ihre Kontrolle gebracht, schrieb Innenminister Arsen Awakow am Freitag Freitag über das soziale Netzwerk Facebook.

Die moskautreuen Aktivisten setzten Granatwerfer und Panzerabwehrgeschütze ein und hätten zwei Hubschrauberpiloten getötet. Es war die erste offizielle Bestätigung für Gefechte in der von Separatisten kontrollierten Stadt Slawjansk mit mehr als 100.000 Einwohnern. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Verlust von zwei Helikoptern und den Tod beider Piloten.

Freilassung der Geiseln gefordert

Die ukrainische Führung forderte die prorussischen Aktivisten im Osten des Landes zur Freilassung ihrer Geiseln auf, darunter vier Deutsche. Die Separatisten halten die OSZE-Beobachter seit einer Woche fest. Die moskautreuen Milizen müssten zudem ihre Waffen niederlegen und besetzte Verwaltungsgebäude räumen, schrieb Awakow am Freitag über Facebook.