Slawjansk/Kiew. Die Ukraine ist nach längerer Zurückhaltung am Samstag den zweiten Tag in Folge massiv gegen Separatisten im Osten vorgegangen. Die Regierung in Kiew meldete schwere Gefechte in der Stadt Kramatorsk, südlich der umkämpften Separatistenhochburg Slawjansk. Dort ließen die prorussischen Kräfte die vor mehr als einer Woche festgenommene OSZE-Beobachtergruppe frei.

Die freigelassenen Militärbeobachter wurden an einem Kontrollposten bei Slawjansk dem Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, übergeben. Jagland war zusammen mit dem russischen Sondergesandten Wladimir Lukin in einer gemeinsamen "Menschenrechtsmission" in das Krisengebiet gereist.

"Große Erleichterung"
Die Freigelassenen haben sich glücklich über das Ende ihrer Gefangenschaft geäußert. Es herrschten "Glück und große Erleichterung", sagte der deutsche Oberst Axel Schneider vor Journalisten nahe der Stadt Donezk. Die sieben europäischen Militärbeobachter sollen noch heute nach Berlin geflogen werden.

Die letzten zwei Nächte seien "wirklich hart" gewesen, sagte Schneider angesichts der Kämpfe zwischen ukrainischen Soldaten und prorussischen Separatisten. Am Ende sei aber dank der Zusammenarbeit aller maßgeblichen Akteure alles gut gegangen.

Moskau fordert Ende des "Anti-Terror-Einsatzes"
Nach der Freilassung der OSZE-Beobachter in der Ukraine hat Russland die Führung in Kiew zu einer Unterbrechung des "Anti-Terror-Einsatzes" gegen moskautreue Separatisten aufgerufen. "Die Volkswehr hat die Männer nicht gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen ausgetauscht, sondern sie als Geste freigelassen", sagte der russische Sondergesandte Lukin in Slawjansk.

"Ich hoffe, dass diesem freiwilligen Schritt als Antwort eine ebenso edle Geste folgt - wünschenswert wären das Einstellen der Kriegshandlungen und ein Dialog", sagte der langjährige russische Menschenrechtsbeauftragte am Samstag dem Fernsehsender Rossija-24.

Schwere Kämpfe in Kramatorsk und Slawjansk
Nach der Freilassung der OSZE-Beobachter sollen bei neuen Gefechten in der ostukrainischen Stadt Slawjansk wieder mehrere Menschen getötet worden sein. Ein Sprecher der moskautreuen Aktivisten sagte am Samstag der russischen Staatsagentur Itar-Tass, elf Zivilisten und vier Bewaffnete seien ums Leben gekommen. Eine unabhängige Bestätigung gab es dafür nicht.