Kiew/Moskau. In der ostukrainischen Stadt Slawjansk haben prorussische Kräfte von einem neuen Angriff ukrainischer Regierungstruppen berichtet. Am Stadtrand habe es zwei schwere Explosionen gegeben, teilten die Gegner der prowestlichen Regierung in Kiew am Mittwoch der russischen Staatsagentur Ria Nowosti mit. Bewohner berichteten von Sturmgeläut als Warnung, sich in Sicherheit zu bringen.

Gegen die 120.000-Einwohner-Stadt Slawjansk im Raum Donezk gehen Truppen der Kiewer Regierung seit Tagen mit Panzerfahrzeugen und schwerer Gefechtstechnik vor. Bei der "Anti-Terror-Operation" im russisch geprägten Osten des Landes starben nach Informationen beider Seiten bereits zahlreiche Menschen, Dutzende wurden verletzt.

Kämpfe auch in Maiupol

Kämpfe gab es auch in der Hafenstadt Maiupol. Medienberichten zufolge hat dort die Nationalgarde nach heftigen Kämpfen in der Nacht auf Mittwoch das von Separatisten besetzte Rathaus zurückerobert. Die Rebellen hatten zuvor die wichtigste Straße der ostukrainischen Stadt mit brennenden Reifen und einem angezündeten Bus blockiert. In der Früh habe es dann keine Verkehrsbehinderungen gegeben, hieß es.

Im Osten der Ukraine haben Separatisten in mehreren Städten zahlreiche Verwaltungsgebäude unter ihre Kontrolle gebracht. Die Lage ist äußerst angespannt, seit Regierungstruppen versuchen, die Rebellen mit Gewalt zurückzudrängen.

Deutschland erhöht Druck auf Kiew

Der Russlandbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Gernot Erler, hat die ukrainische Regierung aufgefordert, die Militäroffensive im Osten der Ukraine zu stoppen. Kiew müsse sein "militärisches Vorgehen gegen pro-russische Separatisten im Osten der Ukraine beenden", sagte Erler im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochausgabe). Mit Blick auf die geplante Präsidentschaftswahl am 25. Mai erklärte der SPD-Politiker: "Das Land braucht ein Umfeld, in dem sich die Bürger möglichst normal an der Wahl beteiligen können. In weiten Teilen der Ukraine ist dies problemlos möglich, im Osten aber nicht." Deshalb müssten die Kämpfe dort aufhören, damit hinterher niemand sagen könne, die Wahlen seien nicht korrekt abgelaufen. Die russische Regierung hat Zweifel an der geplanten Präsidentschaftswahl geäußert.

"Es ist natürlich schwierig, wenn wir immer für Deeskalation eintreten, und dann wenige Tage vor den Wahlen am 25. Mai weiterhin von der ukrainischen Seite vor Ort gekämpft wird", sagte Erler im ARD-Morgenmagazin. Er betonte aber, dass die ukrainische Regierung angesichts des Verhaltens prorussischer Separatisten eine Berechtigung für ihr Vorgehen habe. "Ob es politisch klug ist, wenn man will, dass man möglichst eine ruhige Atmosphäre für die Wahl schafft, das ist eine andere Frage."

In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" räumte Erler ein, dass es in den Unruhegebieten wohl auf jeden Fall Einschränkungen bei der Wahl geben dürfte. Etliche Menschen seien womöglich so verängstigt, dass sie sich nicht trauten, ihre Stimme abzugeben.