Farage marschiert unaufhaltsam Richtung Brüssel, die arrivierten Parteien können ihn Umfragen zufolge nicht aufhalten. - © reu/F. Lenoir
Farage marschiert unaufhaltsam Richtung Brüssel, die arrivierten Parteien können ihn Umfragen zufolge nicht aufhalten. - © reu/F. Lenoir

London. In Großbritannien bereiten sich die drei großen Parteien im Vorfeld der Europawahlen auf ein bemerkenswertes Debakel vor. Die in London regierenden Tories und ihre Partner, die Liberaldemokraten, dürfte es am schwersten treffen. Den Konservativen geben die Umfragen nicht mehr als 18 Prozent der Stimmen. Und die Liberalen dürften so schlecht abschneiden, dass sie möglicherweise all ihre Straßburger Mandate verlieren.

Aber auch die oppositionelle Labour Party soll gerade mal auf 27 Prozent, ein nicht gerade stolzes Ergebnis, kommen. Dafür werden Nigel Farages Unabhängigkeits-Partei Ukip 38 Prozent voraus gesagt. Mit einem solchen Ergebnis würde Farage sein bisheriges Dutzend Sitze in Straßburg mehr als verdoppeln können. Ausgerechnet der Anti-Europäer der Insel zöge als unbestrittener britischer Wahlsieger mit Triumphfanfaren in Europa ein.

Bisher scheinen auch die härtesten Attacken Nigel Farage nichts anzuhaben. Seit Wochen steht der Ukip-Vorsitzende unter Beschuss. Nicht nur soll er Gelder in dunkle Kanäle geleitet und außereheliche Beziehungen unterhalten haben. Mehrere seiner prominentesten Gefolgsleute haben sich auch übler Bemerkungen über Frauen, schwule Briten, schwarze Mitbürger und Behinderte schuldig gemacht.

Wahlplakate Ukips zu den bevor stehenden Europawahlen sind als offen rassistisch angegriffen worden. Die gesamte politische Elite Westminsters feuert auf Farage. Und doch wollen, letzten Umfragen zufolge, fast vier von zehn Briten Ukip wählen. Traditionelle Labour-Wähler, vor allem aber Millionen Konservative haben Farage zu ihrem Helden erhoben. Von fest eingeschriebenen Tory-Aktivisten plant angeblich jeder dritte, die eigene Partei diesmal zu ignorieren - und stattdessen Ukip die Stimme geben.

Woher dieser Erfolg? Wie hat sich Ukip in eine derart starke Position manövrieren können? Nun, viele konservativ gestimmte Wähler haben den Glauben an ihre Partei schlicht verloren. Für sie ist Parteichef David Cameron nie ein würdiger Erbe Margaret Thatchers gewesen. Cameron war ihnen nie prinzipienfest, nie "konservativ" genug.

Tory-Parteichef David Cameron ist den Hardlinern zu liberal


Der Mann, der 2010 keine absolute Tory-Mehrheit schaffte, hat sich mit den Liberaldemokraten arrangiert, die Steuern nicht genug gesenkt und zu viele Immigranten ins Land gelassen. Er hat den Schotten ein Unabhängigkeits-Referendum zugestanden und in England die Homoehe eingeführt. Außerdem plädiert er für Verbleib in der EU aus kommerziellen Gründen. Dabei hat er seinen Rebellen für 2017 ein EU-Ausstiegs-Referendum versprochen. Was, fragen die Rebellen, wolle Cameron denn nun?