Alpbach/Wien. Den Vergleich mit dem World Economic Forum in Davos hört der Präsident des Europäischen Forums Alpbach und frühere EU-Agrarkommissar Franz Fischler gar nicht gerne: "Wir haben ein junges Team und die 700 jungen Stipendiaten aus aller Welt stehen bei uns sehr im Vordergrund."

Von den Stipendiaten sind mehr als 40 aus der Ukraine und Russland - das Thema Ukraine wird nämlich wohl auch Alpbach beschäftigen. Alpbach will ja auch gar nicht ein zweites Davos sein, sondern besinnt sich seit einigen Jahren wieder stärker zu seinen Wurzeln: Vertreter der Wissenschaft, der Kunst, der Wirtschaft und Politik sollen in den Tiroler Bergen den Niederungen des Alltags entfliehen und ihren Horizont im gemeinsamen Gespräch erweitern.

Inputs sollen heuer von der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, dem ehemaligen WTO-Chef Pascal Lamy, dem Direktor von Greenpeace International Kumi Naidoo, dem "Bürgermeister" eines der größten Flüchtlingslagers der Welt, Kilian Kleinschmidt vom UNHCR, dem Ökonomen Jeffrey Sachs oder dem Verhüllungskünstler Christo kommen. Insgesamt werden heuer 750 Referenten und Moderatoren beim Europäischen Forum in Alpbach erwartet, insgesamt werden 4500 Menschen teilnehmen.

Die inhaltlichen Schwerpunkte sind breit gestreut, einerseits soll die EU-Nachbarschafts- und die Außenpolitik bei den politischen Gesprächen im Mittelpunkt stehen, denn "die bisherige Nachbarschaftspolitik hat nicht das gebracht, was es braucht", meinte Fischler bei der Programmpräsentation am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Es fehle nach wie vor die Verbindung für jene Länder, die keine unmittelbare Beitrittsperspektive hätten.

In diesem Sommer sollen die Resultate der sehr engen Zusammenarbeit zwischen dem europäischen Forum Alpbach und dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg deutlicher sichtbar werden.

Alpbach sucht auch historische Bezüge zum Jahr des Ausbruchs des I. Weltkriegs 1914, dem Jahr des Falls des Eisernen Vorhangs 1989 und dem Jahr der EU-Osterweiterung 2004. "Wir machen aber keine Geschichtsbetrachtung, sondern nehmen diese historischen Bezüge zum Anlass, darüber nachzudenken, wie man sich an historischen Weggabelungen verhalten soll. Wie erreichen wir, dass wir nicht die falsche Richtung einschlagen?"

Eine Reihe neuer Diskussions-Formate soll Alpbach auch für junge Leute spannend machen: So wird an einem Tag in einem Planspiel der Frage nachgegangen, wie sich ein Verbot von Plastiksackerln umsetzen ließe. Die "Festspiele des Wissens" finden von 13. bis 29. August statt.