Kiew. Nach der russischen Drohung, Kiew den Gashahn zuzudrehen, wollen Vertreter aus Russland, der Ukraine und der EU am Montag ihre Verhandlungen über eine Beilegung des Gasstreits fortsetzen. Bei den Expertengesprächen in Brüssel solle ein neues Spitzentreffen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger vorbereitet werden, teilte die EU-Kommission am Freitag mit.

Der russische Energieminister Alexander Nowak hatte am Donnerstag verkündet, Moskau werde der Ukraine ab Juni nur noch gegen Vorkasse Gas liefern. Als Grund nannte er ausstehende Gasrechnungen in Milliardenhöhe. Bei einer Drosselung der Lieferungen an die Ukraine wäre auch die Gasversorgung für viele EU-Staaten in Gefahr.

Die von der Pleite bedrohte Ukraine erhielt jahrelang verbilligtes Gas aus dem Nachbarland. Im Zuge des Konfliktes hat Russland die Rabatte aber gestrichen und verlangt nun den vollen Preis. Kiew weigert sich bisher, diesen zu zahlen. Nach russischen Angaben steht die Ukraine inzwischen mit mehr als 3,5 Milliarden Dollar (2,51 Milliarden Euro) bei Russland in der Kreide.

Mit seiner jüngsten Mitteilung konkretisierte Minister Nowak nun die Forderungen: Gazprom werde der Ukraine vor dem 16. Mai eine vorläufige Rechnung schicken, hieß es am späten Donnerstagabend. Im Juni würde dem Land dann nur die Gasmenge geliefert, die es schon vor dem 31. Mai bezahlt hat.

Putin nimmt Militärparade auf der Krim ab
In Anwesenheit von Kremlchef Wladimir Putin hat Russland auf der Krim mit einer Waffenschau den Sieg über Nazi-Deutschland 1945 gefeiert. Der russische Präsident nahm am Freitag die Parade von 10 Kriegsschiffen sowie 70 Kampfflugzeugen und Hubschraubern in der Bucht von Sewastopol an Bord eines Bootes ab. Das Staatsfernsehen übertrug die Feier live.

Der Besuch Putins auf der von Kiew abtrünnigen Schwarzmeerhalbinsel gilt als Machtdemonstration angesichts des schweren Konflikts in der Ukraine. Im Westen wurde die vorab nicht angekündigte Visite Putins auf der Krim kritisiert. Die Führung in Kiew sprach von einer "Provokation".

Wie im russischen Fernsehen zu sehen war, fuhr Putin in Begleitung von Verteidigungsminister Sergej Shogui im Hafen von Sewastopol auf einem weißen Boot ein dutzend russischer Kriegsschiffe ab. Es entspreche der "historischen Wahrheit", dass die Krim zu Russland zurückgekehrt sei, sagte Putin in einer kurzen Ansprache.