Mariupol/Slawjansk. Trotz heftiger internationaler Kritik haben prorussische Separatisten in der Ostukraine über die Unabhängigkeit der Region abstimmen lassen. Vor den wenigen Wahllokalen bildeten sich am Sonntag lange Schlangen. Bis auf vereinzelte Zwischenfälle bei der Rebellenhochburg Slawjansk wurden keine neuen Kämpfe gemeldet. Separatistenführer Denis Puschilin kündigte in Donezk an, nach dem Referendum würden schnellstmöglich Staatsorgane und ein eigenes Militär aufgebaut. Der Westen bereitete unterdessen eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland vor. Deutschland und Frankreich warnten, sollte die Präsidentschaftswahl in der Ukraine am 25. Mai nicht stattfinden, würden Wirtschaftssanktionen verhängt.

Vor den Wahllokalen warteten die Menschen geduldig in zum Teil Hunderte Meter langen Warteschlangen, bis sie ihre Stimme abgeben konnten. Allerdings gab es auch nur wenige Stellen, an denen abgestimmt werden konnte. In der 500.000-Einwohner-Stadt Mariupol etwa waren gerade einmal acht Wahllokale eingerichtet. Aus einem Wahllokal wurden wegen des Andrangs sogar die Wahlurnen auf den Gehweg gebracht.

Worum geht es eigentlich bei der Abstimmung?
Strittig war, worum es in der Abstimmung in den Regionen Donezk und Luhansk genau ging - mehr Autonomie, Unabhängigkeit oder gar einen Schritt Richtung Anbindung an Russland. Auf den Stimmzetteln sollte mit Ja oder Nein beantwortet werden, ob eine Selbstbestimmung der Region unterstützt wird. Dass auch die Ostukrainer Unterschiedliches darunter verstehen, ergab eine Befragung unter Wählern. "Wir sind alle für die Unabhängigkeit der Volksrepublik Donezk", sagte der Ingenieur Sergej, der seine Stimme in Mariupol abgab. "Damit lassen wir die faschistische proamerikanische Regierung in Kiew hinter uns." In der gleichen Schlange wie Sergej stand auch Irina. Ein Ja-Votum sei die Zustimmung zu mehr Autonomie innerhalb der Ukraine, sagte sie.

"Es wird weiter Krieg herrschen"
Auch in Slawjansk bahnten sich Wähler ihren Weg durch Barrikaden aus gefällten Bäumen und Reifen zu den Wahllokalen. "Ich wollte so früh wie möglich kommen", sagte der 20-jährige Schenja Denjesch. "Wir wollen alle in unserem eigenen Land leben. Auf die Frage, was nach dem Referendum kommen werde, sagte er: "Es wird weiter Krieg herrschen." Die Wahllokale sollten bis 21.00 Uhr MESZ offen bleiben. Die Separatisten erwarteten das Ergebnis der Abstimmung für Montagnachmittag.