Lampedusa. Am Dienstagabend ist im Hafen der sizilianischen Stadt Catania ein Schiff der italienischen Marine mit den Leichen von 17 Menschen, die bei ihrer Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind, eingetroffen. Ihr Boot ist südlich der Insel Lampedusa gekentert. An Bord der Marine befanden sich auch die 206 Überlebenden des Bootsunglücks, berichteten italienische Medien. 
Zu den Opfern zählen zwölf Frauen, drei Männer und zwei Kleinkinder, darunter ein wenige Monate altes Mädchen. Der Kommandant des Schiffes der italienischen Marine, Stefano Frumento, berichtete, dass das Boot in internationalen Gewässern gekentert sei. Die Suche nach weiteren Vermissten sei noch im Gange.
Streit zwischen EU und Italien
Inzwischen hält die Flüchtlingswelle an. Weitere 295 Migranten wurden von der italienischen Marine aufgegriffen und werden im Laufe des Mittwoch in Porto Emedocle in Sizilien landen.
Zwischen Rom und Brüssel tobt eine heftige Debatte über die EU-Einwanderungspolitik. "Die Kosten des Einsatzes 'Mare Nostrum', der Italien 300.000 Euro pro Tag kostet, können nicht allein auf uns lasten", sagte der italienische Innenminister Angelino Alfano. Europa müsse sich verstärkt in Libyen engagieren, um die Einwanderungswelle zu stoppen. Der Innenminister forderte außerdem die Verlegung des Sitzes der Grenzschutzagentur Frontex von Warschau nach Italien.
"Mit unserer Mittelmeer-Mission 'Mare Nostrum' haben wir bereits 20.000 Migranten gerettet", sagte Alfano weiter. "Entweder unterstützt Europa uns dabei, oder wir werden die auf Sizilien gelandeten Flüchtlinge frei nach ihren Wünschen in andere europäische Länder ziehen lassen. Migranten sollten die Möglichkeit haben, politisches Asyl in allen EU-Ländern zu erhalten, nicht nur in Italien."