Kiew/Peking. China und Russland haben in einer gemeinsamen Erklärung alle politischen Gruppen in der Ukraine zu Gesprächen aufgerufen. Beide Länder seien wegen der Krise in der Ukraine besorgt, zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass am Dienstag anlässlich eines zweitägigen Staatsbesuch von Russlands Präsident Wladimir Putin in Peking.

Putin und sein Amtskollegen Xi Jinping forderten eine Deeskalation in der Ukraine. Bei einem landesweiten Dialog solle ein Konzept für die Entwicklung einer Verfassung erarbeitet werden.

Die beiden Staatschefs beschlossen auch eine engere militärische Zusammenarbeit der beiden Länder. Die Kooperation zwischen beiden Ländern sei ein wesentlicher Faktor für Sicherheit in der Welt, sagte Putin nach einem Gespräch mit seinem Amtskollegen Xi laut Itar-Tass. Es gebe gute Aussichten für den gemeinsamen Bau eines großen Flugzeuges und eines Helikopters.

Gleichzeitig war für Dienstag der Auftakt eines mehrtägigen Manövers von russischen und chinesischen Militärschiffen im Ostchinesischen Meer geplant. In der Region liegt China seit langer Zeit mit Japan im Streit um eine Gruppe von unbewohnten Inseln.

43 Abkommen sollen unterzeichnet werden
Im Zentrum des zweitägigen Staatsbesuches von Putin in China steht der Abschluss zahlreicher Verträge. Insgesamt sollen bei Putins China-Reise rekordverdächtige 43 Abkommen unterzeichnet werden. Seit Jahren ringen Russland und China um den Abschluss eines neuen Gasvertrages. Ein neues Abkommen stehe kurz bevor, hatte Putin am Montag angedeutet.

Die Diskussionen in Shanghai über das Gasabkommen seien bereits sehr weit, und China könne "jeden Moment" das Abkommen unterzeichnen, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben von Itar-Tass. Noch sei keine Einigung über den Preis für die Gaslieferungen gefunden worden. Schon im vergangen Jahr hatten beide Länder einen Durchbruch in den Verhandlungen gefeiert, aber beide Seiten konnten sich nicht auf einen Preis einigen.

Druck auf Europa: Gas nach China
Russlands Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew zufolge könnte russisches Erdgas künftig statt nach Europa nach China geliefert werden. Russland habe "genügend Reserven", um sowohl an den Osten als auch an den Westen Gas zu liefern, sagte er in einem Interview mit dem Sender Bloomberg. Wenn "vom Schlimmsten" ausgegangen werde, sei eine Umorientierung der Gas-Exporte von Europa nach China "theoretisch" durchaus möglich, so der Regierungschef.

Die Visite in Shanghai erfolgt vor dem Hintergrund der schweren Krise in der Ukraine. Putins Gespräche mit Chinas Staats- und Parteichef Xi in der ostchinesischen Hafenmetropole gelten auch als Zeichen an den Westen, dass Moskau die Suche nach neuen Partnern intensiviert. Am Dienstag wollte Putin in Shanghai zudem mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zusammenkommen. Beide nehmen an einem Sicherheitsgipfel asiatischer Länder teil.

Auch einen Tag nach einer entsprechenden Ankündigung Putins hat die NATO noch keine Anzeichen für einen Abzug russischer Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine erkennen können. "Die Lage ist unverändert", hieß es in der Zentrale der NATO in Brüssel am Dienstag. Es habe bis Dienstagfrüh im russischen Aufmarsch unweit der Grenze zur Ukraine auf Satellitenbildern "keinerlei Bewegung" gegeben. Medien hatten zuvor berichtet, dass Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu den Soldaten entlang der Grenze angewiesen hatte zurück in die Kasernen zu kehren.