Brüssel. (rs) Nigel Farage war der Erste unter Europas eurokritischen Rechtspopulisten, der lachen konnte. Zwar durften die offiziellen Ergebnisse in Großbritannien, wo die Wähler bereits am Donnerstag über das neue EU-Parlament abstimmen konnten, erst am Sonntag nach 23 Uhr veröffentlicht werden, doch die Auszählungsergebnisse der gleichzeitig abgehaltenen Kommunalwahlen deuteten bereits vor zwei Tagen auf ein fulminantes Abschneiden von Farages UK Independence Party (Ukip) hin. In jenen Wahlkreisen, in denen die offensiv für einen EU-Austritt und eine massive Beschränkung der Zuwanderung werbende Partei antrat, konnte sie rund 25 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen. Bereits zuvor hatte Farage, der sich berechtige Hoffnung auf Platz eins bei den EU-Wahlen machen durfte (das Ergebnis stand zu Redaktionsschluss nicht fest), ein "politisches Erdbeben" versprochen.

Doch auch in vielen anderen EU-Staaten haben jene rechtspopulistischen Parteien, die Europa zum Feindbild erklärt haben, überdurchschnittlich gut abgeschnitten. So hat in Frankreich die Front National laut den ersten Prognosen alle Umfrageergebnisse übertroffen und wurde stärkste politische Kraft mit rund 25 Prozent. Bei den letzten EU-Wahlen im Jahr 2009 hat die Partei nur 6,3 Prozent erreicht, das nunmehrige Ergebnis bedeutet somit eine Vervierfachung des Stimmenanteils. Im Wahlkampf hatte Le Pen die Kritik an den EU-Institutionen und dem Euro geschickt mit dem Aufruf zur Abrechnung mit Präsident François Hollande verbunden. Die Umweltministerin und frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal nannte das Ergebnis einen "Schock auf weltweiter Ebene".

Ebenfalls Platz eins konnten die Rechtspopulisten in Dänemark erobern. Die Dänische Volkspartei (DF) lag mit 23,1 Prozent knapp vor den Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Stark zulegen konnte auch die FPÖ in Österreich, die auf 20,5 Prozent kam. In Griechenland entschied sich jeder Zehnte für die rechtsextreme Goldene Morgenröte.

Slowakische SNS liegt zurück

Deutlich unter den Erwartungen lagen hingegen blieben die niederländische PVV des Islamgegners Geert Wilders und die rechtspopulistische Slowakische Nationalpartei (SNS). Wilders, der in den Umfragen lange geführt hatte, stürzte auf Platz vier ab. Vielen Bürgern waren die Positionen des platinblonden Parteichefs, der den Niederländern bei einem EU-Austritt spürbare wirtschaftliche Vorteile versprochen hatte, dann wohl doch zu radikal.

Die SNS hat laut einem Bericht der Zeitung "Sme" am Samstag überhaupt den Einzug ins EU-Parlament verpasst. Mit 3,7 Prozent lag die Partei laut den Prognosen weit unter der 5-Prozent-Hürde. Auch der belgische Vlaams Belang schien am späten Sonntagabend deutlich von einem Einzug entfernt.

Mit dem Scheitern der SNS und des Vlaams Belang steht nun das zentrale EU-politische Projekt der Rechtspopulisten auf der Kippe. Monatelang waren Wilders und Le Pen durch Europa getourt, um bei den lange Zeit zerstrittenen Rechtsparteien für die Bildung einer gemeinsamen Fraktion zu werben, durch die ihre Abgeordneten deutlich mehr Rechte und Befugnisse im EU-Parlament bekämen. So werden etwa wichtige Ausschüsse nur mit Mitgliedern von Fraktionen besetzt.

Schwierige Partnersuche

Als mögliche Bündnispartner galten neben der FPÖ, der SNS und dem Vlaams Belang die Lega Nord aus Italien und die Schwedendemokraten. Doch für die Bildung einer Fraktion werden zumindest 25 Abgeordnete aus sieben Ländern benötigt - und ohne die SNS und den Vlaams Belang kommen die Rechtsparteien trotz des Erreichens der benötigten Mandatszahl nur auf fünf Länder.

FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky zeigte sich am Sonntagabend dennoch zuversichtlich, dass eine gemeinsame Fraktion mit anderen Rechtsparteien gelingen werde. Er wolle schon am Dienstag nach Brüssel fliegen, um diesbezüglich "informelle Gespräche" mit möglichen Alternativen zu SNS und Vlaams Belang zu führen. Es gebe "viele andere, die in deren Fußstapfen treten können", sagte Vilimisky. Bisher haben allerdings alle anderen umworbenen Parteien wie die Ukip, die Wahren Finnen oder die Dänische Volkspartei abgewunken.