Paris/Wien. Bereits seit einer Woche streiken in ganz Frankreich die Bediensteten der SNCF, des französischen Bahnunternehmens. Sie wehren sich mit diesem Schritt gegen die geplante Bahnreform, die sich aus Gewerkschaftssicht zu sehr auf Sparmaßnahmen konzentriert und schleichende Privatisierungen vorsieht. So wurde am Dienstag ein Gesetz zur Öffnung des Schienenverkehrs für den Wettbewerb debattiert.

Laut Regierung sei diese Maßnahme ein wichtiger Schritt, um die Liberalisierung des europäischen Bahnverkehrs in die Wege zu leiten. Kritiker befürchten, dass dadurch Stellen und Bahnverbindungen gestrichen werden. Auch soll der 1997 ausgegliederte Netzbetreiber Reseau Ferre de France (RFF) wieder mit dem Bahnkonzern SNCF zusammengeschlossen werden. Der für Verkehr zuständige französische Staatssekretär Frederic Cuvillier konnte bislang keine Einigung mit der Bahn-Gewerkschaft erzielen.

Am Dienstag kam es in Paris im Zuge des Arbeitskampfes zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und demonstrierenden Arbeitern, als einige Hundert versuchten, sich einen Weg zum Parlament zu bahnen. Polizisten gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen sie vor. In Lille wiederum wurde kurzzeitig das Rathaus besetzt.

Die Streiks haben am 11. Juni begonnen und legen seither große Teile des Zugverkehrs im ganzen Land lahm. In einigen Regionen fiel rund die Hälfte aller TGVs und Regionalzüge aus, zwei Drittel aller Pendlerzüge nach Paris wurden gestrichen. Durch ein unter dem früheren Präsident Sarkozy verabschiedetes Gesetz sind Staatsbetriebe in Frankreich nun dazu verpflichtet, einen Minimalbetrieb zu gewährleisten. Außerdem werden Streiktage nicht mehr entlohnt.