Kiew. Kremlchef Wladimir Putin und sein ukrainischer Kollege Petro Poroschenko haben erneut eine Waffenruhe für die Ostukraine bei einem Telefonat erörtert. Putin habe bei dem Gespräch am späten Donnerstagabend noch einmal auf einem Ende der Gewalt bestanden, damit die Krise gelöst werden könne, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

Poroschenko will an diesem Freitag seinen Friedensplan für die Gebiete Lugansk und Donezk präsentieren und hoffe dabei auf Unterstützung Russlands, teilte die Präsidialverwaltung in Kiew nach dem Telefonat mit.

Der ukrainische Staatschef habe sich für eine Freilassung von "Geiseln" in den Konflikt ausgesprochen. Sowohl die prorussischen Separatisten, die für eine Unabhängigkeit von Kiew kämpfen, als auch die Regierungstruppen halten jeweils Gefangene. Es sei außerdem notwendig, dass an der ukrainisch-russischen Grenze ein effektives System der Kontrolle aufgebaut werde, hieß es in der Mitteilung in Kiew weiter. Es war nach einem Gespräch am Dienstag bereits das zweite Telefonat der beiden Präsidenten in dieser Woche.

Poroschenko will EU-Assoziierungsabkommen am 27. Juni unterzeichnen

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko will den wirtschaftlichen Teil des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union am Freitag kommender Woche in Brüssel unterzeichnen. Dies teilte er am Donnerstag mit. Poroschenko betrachtet die Unterzeichnung als ersten Schritt zu einem EU-Beitritt.

  Sein prorussischer Vorgänger Viktor Janukowitsch hatte das Assoziierungsabkommen im vergangenen November auf Eis gelegt und damit politische Umwälzungen in der Ukraine ausgelöst.

  Die nach Janukowitschs Sturz gebildete Übergangsregierung unter Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte den politischen Teil des Abkommens am 21. März in Brüssel unterzeichnet. Russland drohte am Donnerstag erneut mit Handelsbeschränkungen, sollte Kiew auch den zweiten Teil des Abkommens mit der EU unterzeichnen.

Zwischen Krieg und Frieden

Es ist eine Gratwanderung zwischen Krieg und Frieden: Während das Parlament in Kiew am Donnerstag möglicherweise über einen Vorschlag abstimmt, in den umkämpften Gebieten im Osten des Landes das Kriegsrecht einzuführen, will Präsident Petro Poroschenko mit einer einseitigen Waffenruhe einen Friedensprozess einleiten.