Wien/Moskau. Der russische Präsident Wladimir Putin ist in Schwechat gelandet und mittlerweile am Weg in die Hofburg - sein halbtägiger Arbeitsbesuch in Wien kann beginnen. Es ist Putins zweite Reise in den Westen und sein erster Arbeitsbesuch in einem EU-Mitgliedsland seit dem Beginn der Ukraine-Krise im November vergangenen Jahres.

Der Besuch Putins in Wien ist angesichts dieser Krise und der Sanktionen gegen Russland sehr umstritten. Der schwedische und der litauische Außenminister sagten laut einem ORF-Bericht, dass sie Putin  derzeit nicht einladen würden. Beobachter sprachen von einer Spaltung die Putins Besuch in die EU-(Sanktions-)Politik ziehe.

Fischer rechtfertigt umstrittenen Besuch mit Dialog

Gerade in einer solch schwierigen Situation ist es für Bundespräsident Heinz Fischer wichtig, "Kanäle offen zu halten und miteinander zu reden". Damit weiche Österreich auch nicht von der EU-Linie ab - mit Sanktionen belegte Personen dürfen nicht einreisen -, sondern versuche im Gegenteil, einen Beitrag zur Lösung der Probleme zu liefern: "Konflikte kann man nur im Dialog und im Gespräch lösen", bekräftigte Fischer.

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte an, dass Bundespräsident Fischer in der Frage der Ukraine-Krise "klare Worte" finden wird. Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin, der ebenfalls in Wien erwartet wird, bat Kurz bei einem Treffen am Montag in Luxemburg darum, den russischen Präsidenten zum Einlenken in dem Konflikt zu drängen.

Klimkin wird mit Vertretern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zusammentreffen. Auch Putin kommt am heutigen Dienstagabend in Wien mit dem Schweizer Bundespräsidenten Didier Burkhalter zusammen, der in seiner Funktion als OSZE-Vorsitzender an der Jahreskonferenz der OSZE teilnimmt. Ein Treffen mit Klimkin ist dagegen nicht geplant.

Proteste angekündigt

Mehrere Organisationen haben für den heutigen Nachmittag Proteste angesichts des Besuches von Putin in Wien angesagt. Darunter finden sich der Verein Demokratische Ukraine gegen Putins Politik und Wirtschaftskooperationen zwischen heimischen und russischen Firmen, ein "Regenbogenmarsch" der AIDS-Hilfe Wien gegen eine homophobe Gesetzgebung und Menschenrechtsverletzungen in Russland und auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen den russischen Milliardenkredit für ungarisches AKW Paks.