Brüssel. (rs) Für Petro Poroschenko war es der "wichtigste Tag seit der Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion". Und so ein Tag braucht offenbar auch eine Symbolik, die über jene Fotos von zufrieden lächelnden Politikern hinausgehen, die bei solchen Gelegenheiten üblicherweise geschossen werden. Also unterzeichnete Poroschenko das Assoziierungs- und Freihandelsabkommen, das die Ukraine am Freitag mit der EU abgeschlossen hat, mit einem jener Kugelschreiber, die beim EU-Gipfel in Vilnius im November 2013 verteilt worden waren. Auf eben jenem Gipfel hatte Wiktor Janukowitsch, Poroschenkos Vorvorgänger im Präsidentenamt, die Unterschrift unter das lange geplante Abkommen auf Druck Russlands hin verweigert. Die Kehrtwende fachte die wochenlangen pro-europäischen Massenproteste der Maidan-Bewegung an, die letztlich zu Janukowitschs Sturz führten.

Doch auch wenn EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy von einem "großen Tag für Europa" und "Meilensteinen" sprach, so wirklich zum Feiern dürfte nur den wenigsten im Brüsseler EU-Hauptquartier zumute gewesen sein. Denn mit der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens, das die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen der Ukraine zu den 28 EU-Ländern stärkt, muss Russlands Präsident Waldimir Putin auch einen seiner größten Träume begraben. In den Plänen für eine noch zu schaffende Eurasische Union hätte die Ukraine neben Kasachstan und Russland eine zentrale Rolle spielen sollen. Ohne die Ukraine, die Russlands drittgrößten Handelspartner darstellt, steht das Projekt, mit dem Putin ein Gegengewicht zur EU schaffen wollte, aber in den Sternen.

Wirtschaftlich verwundbar

Entsprechend groß war in den vergangenen Tagen auch die Sorge, dass Moskau auch diesmal nicht tatenlos zusehen könnte, wenn eine ehemalige Sowjetrepublik ihre Westintegration vorantreibt. Und tatsächlich ließ Russland, das im März bereits die Krim annektiert hat und von Kiew für die separatistischen Bewegungen in der Ostukraine verantwortlich gemacht wird, nicht lange mit einer Antwort auf sich warten. Bereits unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens drohte der russische Vize-Außenminister Grigorij Karasin mit "schwerwiegenden Konsequenzen". Nur wenig später erklärte Putin-Sprecher Dmitrij Peskow, Russland werde alles tun, was zur Verteidigung seiner Wirtschaft nötig sei.