London. Genau eine Woche vor Schottlands Unabhängigkeits-Referendum hat der schottische Regierungschef Alex Salmond seine Mitbürger dazu aufgerufen, "die Chance ihres Lebens" zu nutzen und für nationale Eigenständigkeit zu stimmen. Salmond sprach davon, dass Schottland "im Begriff steht, Geschichte zu machen". Das Land habe endlich "sein Selbstvertrauen wieder entdeckt", sagte der Vorsitzende der schottischen Nationalisten: "Jetzt finden wir unsere Stimme wieder." Mit seiner Erklärung reagierte Salmond auf leidenschaftliche Appelle der drei Londoner Parteichefs David Cameron, Nick Clegg und Ed Miliband an die Schotten vom Vortag. In einer konzertierten Aktion hatten Premier, Vize-Premier und Oppositionsführer Großbritanniens die Schotten vor Ort zum Verbleib im Vereinigten Königreich gedrängt.

Unterdessen haben die Royal Bank of Scotland, TSB und Lloyds Bank damit gedroht, im Falle schottischer Unabhängigkeit ihre Hauptquartiere aus Schottland nach England zu verlegen. Die drei Banken fügten zwar hinzu, dass sie nicht planten, Teile ihres Betriebs oder Arbeitsplätze aus Schottland abzuziehen. Dennoch löste die Ankündigung einen hitzigen Streit um die Frage aus, ob Unabhängigkeit die Finanzbranche in Schottland gefährden würde. Der größte unmittelbare Effekt einer Abspaltung sei laut des Internationalen Währungsfonds die Unsicherheit beim Übergang zu möglicherweise neuen und unterschiedlichen Rahmenbedingungen im Währungs-, Finanz- und Steuersystem in Schottland.

Salmond sprach von "Angstmacherei" und "Falschinformationen". Er warf außerdem der Schatzkanzlei, dem britischen Finanzministerium, vor, vertrauliche Bank-Mitteilungen an die Öffentlichkeit gegeben zu haben, um die Unabhängigkeits-Bewegung zu untergraben. "In letzter Minute zusammen gestoppelte Versprechen" würden ebenso wenig verfangen wie "die eklatante Einschüchterung" schottischer Wähler "durch die Westminster-Regierung".

Kommenden Donnerstag sollen die Einwohner Schottlands darüber entscheiden, ob ihr Land ein eigener Staat werden soll. Stimmen sie dafür, würde Schottland am 24. März 2016 unabhängig werden. Letzte Umfragen versprechen einen knappen Wahlausgang. Noch immer sollen zehn Prozent der Wähler sich nicht entschieden haben. Zur Stimmabgabe registrieren lassen hat sich aber eine Rekordzahl von Personen in Schottland - fast 4,3 Millionen Menschen, 97 Prozent der gesamten Wählerschaft. Hunderttausende sollen bereits per Briefwahl abgestimmt haben.