Brüssel. Jean-Claude Junckers künftiger Erster Vizepräsident in der EU-Kommission hat sich am Dienstag als echter Europäer vor dem EU-Parlament präsentiert - auch auf sprachlicher Ebene. Der polyglotte Noch-Außenminister der Niederlande, Frans Timmermans, parlierte fließend und praktisch akzentfrei mit den Mandataren auf Niederländisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch.

Auch abseits seiner Person habe sich im Bereich der Mehrsprachigkeit in der Vergangenheit bereits viel getan, unterstrich der Sozialdemokrat: "Vor 20 Jahren hätten wir hier noch alle schlechtes Englisch gesprochen." Das Motto müsse deshalb auch im Bildungssektor lauten: "Schätzen wir unsere eigenen Sprachen, und lernen wir alle gutes Englisch." Zugleich müssten die Minderheitensprachen selbstredend geschützt werden. "Ich weiß, wie eng der Gebrauch der eigenen Sprache mit der eigenen Identität und wie man sich als Person und Teil einer Gruppe empfindet, verbunden ist", so Timmermans.

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Der EU-Übersetzerriege dürfte der 53-Jährige jedenfalls Angst vor Arbeitslosigkeit einjagen. Dabei konnte Timmermans zwei seiner sprachlichen Welten am Dienstag gar nicht anbringen: Sein fließendes Russisch blieb ebenso ungehört wie sein südniederfränkischer Heimatdialekt des Limburgischen.

Timmermanns: Praxis statt Ideologie

Timmermans, hat angekündigt, ein verbindliches Lobbyisten-Register in der EU vorschlagen zu wollen. "Wir brauchen mehr Transparenz", sagte Timmermans und betonte, er wolle seine künftige Aufgabe nicht ideologisch, sondern praktisch angehen. Die EU-Kommission müsse sich künftig auf für die Bürger greifbare Resultate konzentrieren.

Nicht-Regierungsorganisationen kritisieren seit Jahren die EU-Regeln zur Lobbying-Kontrolle als unzureichend. Lobbyisten können sich derzeit auf freiwilliger Basis im Transparenzregister anmelden. Das Register gilt für das EU-Parlament und die EU-Kommission, nicht aber für den EU-Ministerrat und die Vertretungen der EU-Staaten.

Das EU-Parlament schließt am Dienstag in Brüssel die Anhörungen der designierten EU-Kommissare ab. Um 10 Uhr startete Jyrki Katainen, der als Vizepräsident für Jobs, Wachstum und Investitionen verantwortlich sein soll. Der künftiger Vizepräsident für Beschäftigung und Wachstum bekräftigte unter anderem das 300 Milliarden-Investitionsplan Junckers und forderte mehr Investitionen aus dem Privatsektor.

Zweite Runde für Jonathan Hill

Der umstrittene designierte Finanzmarktkommissar Jonathan Hill aus Großbritannien musste sich einer zweiten Anhörung stellen, Lobbying-Liste legte er allerdings keine vor. Dafür äußerte er sich zu zum Thema Privat-Pensionen: "Wir müssen uns ansehen, wie man mehr Pensionsprodukte entwickeln kann, die über Grenzen hinweg angeboten werden."

Grünes Licht für Vera Jourova

Die designierte tschechische EU-Kommissarin Vera Jourova hat die Hürde im EU-Parlament genommen. Die Benennung von Jourova zur EU-Justizkommissarin sei ohne Abstimmung von vier Ausschüssen des EU-Parlaments gebilligt worden, hieß es am Dienstag in EU-Parlamentskreisen in Brüssel. Gegen die liberale Politikerin hatte der Justizausschuss ursprünglich Einwände nach ihrer Anhörung im EU-Parlament formuliert.