Brüssel. Der scheidende EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat den britischen Premierminister David Cameron ein "gefährliches Spiel mit dem Feuer" vorgeworfen, was dessen Europa-Politik betrifft.

"Niemand wird gezwungen, in der EU zu sein", sagte Barroso in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender France 24. Cameron male die EU jedoch unaufhörlich in einem schlechten Licht. "Man kann nicht von Montag bis Samstag die EU kritisieren und am Sonntag das Volk bitten, für die EU zu stimmen", sagte er.

"Wenn man systematisch eine negative Botschaft zu Europa überträgt, dann ist es nur natürlich, dass mehr Menschen diese euroskeptische Botschaft übernehmen", fügte Barroso hinzu. Es sei nicht verwunderlich, dass eine Partei wie die rechtspopulistische und eurokritische UKIP in Großbritannien wachsen könne. "Wir haben von den Kräften des politischen Mainstreams nicht die notwendige Unterstützung, die Argumente und auch nicht die Überzeugung bezüglich der EU gesehen", betonte er.

In Großbritannien hatte am Donnerstag die rechtspopulistische UKIP erstmals ein Mandat im britischen Unterhaus errungen. Zuvor war UKIP mit strikt europafeindlicher Politik bereits als stärkste Kraft aus der Europawahl hervorgegangen.