Aufruhr: Albaner lassen eine Flagge via Drohne ins Stadion fliegen, die die Nationalhelden Ismail Qemali (erster Premier, 1912-14) und Guerilla-Führer Isa Boletini sowie die Umrisse Großalbaniens zeigt. Serbische Hooligans entern daraufhin den Platz und zünden bengalische Feuer an. Derweil wird in Albaniens Hauptstadt Tirana die Flaggen-Provokation ausgelassen gefeiert. - © epa/Suki, Sulejmanovic, Barbani; ap/Drobnjakovic
Aufruhr: Albaner lassen eine Flagge via Drohne ins Stadion fliegen, die die Nationalhelden Ismail Qemali (erster Premier, 1912-14) und Guerilla-Führer Isa Boletini sowie die Umrisse Großalbaniens zeigt. Serbische Hooligans entern daraufhin den Platz und zünden bengalische Feuer an. Derweil wird in Albaniens Hauptstadt Tirana die Flaggen-Provokation ausgelassen gefeiert. - © epa/Suki, Sulejmanovic, Barbani; ap/Drobnjakovic

Belgrad. Von vornherein war das Fußballmatch Albanien gegen Serbien am Dienstag in Belgrad als Hochrisikospiel eingeschätzt worden. Albanische und kosovarische Fans wurden erst gar nicht in das Stadion gelassen. Beleidigende Sprechchöre gegen die albanischen Spieler waren im Rahmen des Erwartbaren. Doch dann tauchte eine Drohne mit einer Flagge auf, die ein imaginäres Großalbanien zeigte. Damit nahm das Unheil seinen Lauf, das die politischen Beziehungen zwischen Serbien und Albanien innerhalb kürzester Zeit ins Schwanken brachte.

Großalbanien, das ist ein Projekt von albanischen Nationalisten in Albanien, aus dem Kosovo und in Mazedonien, die von der Vereinigung der Albaner in einem Staat träumen. Real sind die Pläne nicht, keine der führenden Parteien der jeweiligen Länder geht ihnen ernsthaft nach. Was auf das Einschweben der Flagge folgte, hätte in jedem anderen Stadion Europas passieren können. Serbiens Nationalspieler Stefan Mitrovic riss das Stück Stoff herunter, woraufhin sich einige albanische Spieler auf ihn stürzten. Nach einem kurzen Handgemenge zwischen Spielern der beiden Teams bahnte sich etwa ein Dutzend serbischer Fußballfans den Weg auf das Spielfeld und prügelte auf die albanischen Spieler ein. Das Match wurde in der 42. Minute abgebrochen. Die Uefa analysiert die Vorfälle und überlegt Strafen.

Krawalle auch in Wien


Auch in Wien waren die Folgen des Spiels spürbar, in der Ottakringer Straße gerieten Serben und Albaner aneinander, 30 Anzeigen waren die Folge. Und am Mittwoch zogen Jugendliche mit albanischen Flaggen skandierend durch Ottakring. Wesentlich schwerwiegender könnten jedoch die politischen Folgen in der Region sein. Sowohl die albanisch-serbischen Beziehungen als auch der vielversprechend begonnene Aussöhnungsprozess zwischen Serbien und dem Kosovo stehen auf dem Prüfstand. Der Vorfall hatte in den Straßen Prishtinas und Tiranas für spontanen Jubel gesorgt. Die politischen Eliten, angefangen von den Vertretern der EU und USA in Serbien dürften jedoch vor Schreck erstarrt sein. Serbiens Medien machten Olsi Rama, einen Bruder des albanischen Premiers Edi Rama, für den Drohnen-Flug verantwortlich. Rama war angeblich auf Initiative der US- und EU-Vertreter im VIP-Sektor des Stadions. Die serbische regierungsnahe Zeitung "Informer" titelte: "Shiptaren und EU provozierten Krieg im JNA-Stadion". "Shiptar" ist im ex-jugoslawischen Raum eine abfällige Bezeichnung für Albaner. Es ging das Gerücht um, Olsi Rama wurde von der Polizei festgenommen und verhört, weil bei ihm eine Fernsteuerung gefunden wurde, mit der er die Drohne gelenkt haben soll. Der US-Staatsbürger Rama bestreitet die Vorwürfe. Die Polizei untersucht inzwischen, ob das Flugobjekt von mazedonisch-albanischen Fans gestartet wurde.