Wien. (wak) Über zehn Monate lang wurden die großen und größeren Banken Europas von der Europäischen Zentralbank durchleuchtet. Insgesamt 128 Institute aus 22 Ländern mussten ihre Bücher den Wirtschaftsprüfern öffnen, und einem Stresstest-Szenario unterziehen. Die Ergebnisse sollen morgen, Donnerstag, den Banken zugestellt werden. Öffentlich gemacht werden die Ergebnisse aber außerhalb der Börsezeiten - nämlich am Sonntag, um 12.01 Uhr auf den jeweiligen Webseiten.

Bei den sechs österreichischen Instituten, die geprüft worden sind, gibt man sich bezüglich der getroffenen Vorkehrungen für den D-Day recht zugeknöpft. Die EZB hat ihnen allen eine lange Liste von Dos and Don’ts übermittelt, die Ergebnisse dürfen nicht vor eben jenem Sonntag um 12.01 Uhr an die Öffentlichkeit sickern. Alles, was man sagen darf, ist, man sei optimistisch.

Allerdings ist man in der heimischen Bankenbranche ungleich weniger nervös, seit das österreichische EZB-Ratsmitglied, Notenbankchef Ewald Nowotny, vergangene Woche erklärt habe, es habe bei den EZB-Stresstests "ein Institut mit Nachholbedarf" gegeben, aber da ist Vorsorge getroffen worden". Für die Branche war klar: Die ÖVAG hat den Bankenstresstest wohl nicht geschafft, die aber ohnedies vor kurzem ihre Umwandlung in eine Abbaubank beschlossen hat.

Im Umkehrschluss bedeutet das für die restlichen fünf Institute - Bawag, Erste Group, Raiffeisen Zentralbank, RLB Niederösterreich/Wien und RLB Oberösterreich -, dass sie die Banken-Dystopie überstanden haben.

Bei der Erste Group sehe man den "vielen, vielen Excel-Sheets", die am Donnerstagabend in das Institut übermittelt werden, "unaufgeregt" entgegen. Die Bank habe eine "ganz normale professionelle" Vorbereitung auf den Sonntag. Schließlich sei das ja bereits der dritte Stresstest, den man durchlaufe, wenngleich es der erste sei, der eine AQR - Asset Quality Review - beinhaltet. Sprich, der erste Stresstest, der tatsächlich auch die Qualität der Bank-Aktiva prüft, ob die Bewertung und Sicherheit der Aktiva und die damit zusammenhängenden Rückstellungen adäquat sind.

Auch die Raiffeisen Zentralbank scheint dem Ergebnis gelassen entgegen zu sehen, es sei zumindest nichts Spezielles puncto vermehrter Anwesenheit von Mitarbeitern und Führungskräften geplant. Business as usual.

Für die, die es nicht schaffen, kommt ein Abwicklungsfonds

Ab 2016 soll es für kriselnde Institute zukünftig einen europaweiten Bankenabwicklungsfonds geben, um die nationalen Haushalte nicht wieder in Verlegenheit bringen zu müssen, Banken vor der Pleite zu bewahren.

Den Löwenanteil für den Fonds müssen wie erwartet die Großbanken berappen: Die Institute, die insgesamt 85 Prozent der Bilanzsummen der Banken in der EU auf sich vereinen, sollen für 90 Prozent des Gesamtbetrages für den Abwicklungsfonds aufkommen, schreibt die EU-Kommission. Kleine Banken mit einer Bilanzsumme von unter einer Milliarde Euro sollen abhängig von ihrer Größe zwischen 1000 und 50.000 Euro pro Jahr beisteuern. Damit zahlen auch viele Sparkassen und Volksbanken nach dem Willen der EU-Kommission in den Fonds ein. Dies geht aus einem Vorschlag zur Erhebung der Bankenabgabe hervor, den die Behörde am Dienstag in Brüssel vorlegte. Die EU-Kommission stellt sich damit gegen die deutsche Bundesregierung. Sie hatte höhere Abgaben für Großbanken gefordert - und wollte Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken durch Freibeträge schonen.

In den Abwicklungsfonds, der künftig nach Eigentümern und Gläubigern für kriselnde Großbanken aufkommen soll, sollen die Banken von 2016 bis 2024 insgesamt 55 Milliarden Euro einzahlen.

Wissen

Bevor die Europäische Zentralbank mit 4. November die Aufsicht über die wichtigsten Geldhäuser der Währungsunion übernimmt, wollte sie die Institute noch einmal auf potenzielle Leichen im Keller überprüfen. Bei dem dritten und bisher strengsten Stresstest haben die Prüfer der EZB zunächst die Qualität der Aktiva-Positionen in den Bilanzen zum Stichtag 31. Dezember 2013 untersucht. Dann wurde ein Stressszenario mit einem drei Jahre anhaltenden Konjunktureinbruch, steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Immobilienpreisen entworfen.

Um das Krisenszenario zu überstehen, darf die Kapitalquote bis Ende 2016 nicht unter die Schwelle von 5,5 Prozent sinken. Schafft eine Bank das nicht, ist sie durchgefallen. Diesfalls muss die Bank innerhalb von zwei Wochen einen Plan vorlegen, wie sie die Kapitallöcher stopfen will. Innerhalb von neun Monaten muss sie Kapital aufnehmen, um Lücken aus dem Krisenszenario zu stopfen.

Ist eine Bank nicht dazu in der Lage, empfehlen die Bankenaufseher die Abwicklung. Dann würde das Institut wohl aufgetrennt werden in eine Bad Bank und einen gesunden Teil. Beide bräuchten frisches Kapital, um derart getrennt weiterleben zu können. Deshalb sollen die Banken in den kommenden Jahren einen gemeinsamen Abwicklungsfonds auffüllen, um bei Notfällen ihre Abwicklung selbst schultern zu können. Allerdings steht dieser Topf erst ab 2016 zur Verfügung. Es könnten daher noch Geldspritzen seitens der Staaten notwendig werden.