Rom. (wak) Tapfer hat sie sich seit ihrer Gründung 1472 gehalten. Die Bank Monte dei Paschi di Siena überstand etwa schon zu ihrer Anfangszeit unbeschadet die zu der Zeit immer wieder hochkochenden bewaffneten Konflikte in der Toskana zwischen den konkurrierenden Städten Siena und Florenz.

Eigentlich wurde die Bank Monte dei Paschi als Leihhaus für die Armen gegründet - unter dem Namen Monte di Pietà (italienisch für Berg der Barmherzigkeit), einer Bankenform, die damals von den Franziskanern befürwortet wurde, um den Einfluss von "Wucherern" anderen Glaubens zurückzudrängen. Arme konnten sich bei den barmherzigen Banken gegen die Pfandleihgabe von Schmuck oder Kleidern Kredite geben lassen.

Den aktuellen Namen erhielt die Bank Monte dei Paschi erst mit der Reform 1624, als Großherzog Ferdinand II., Sohn der Erzherzogin Maria Magdalena von Österreich, die Bank mit Erträgen aus den Weidegebieten (Paschi) besicherte.

Von da an ging es bergauf: Im 17. Jahrhundert dehnte die Bank ihren Einfluss auf die Toskana aus, meisterte die Gründung des italienischen Königreichs und wurde in der Zeit des italienischen Faschismus in ein modernes Kreditinstitut umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte sie sich auch in Frankfurt, New York und Singapur an und in den 90er Jahren stieg sie als erste Bank in Italien in das Banken-Versicherungsgeschäft ein. 1999 debütierte sie an der Mailänder Börse - und ging in den Jahren darauf auf große Einkaufstour. Zuerst wurden lokale Banken geschluckt. Und schließlich überhob sich Monte dei Paschi 2008 vollkommen mit der Übernahme der Bank Antonveneta.

Die norditalienische Bank wurde kurz zuvor von dem spanischen Institut Santander um 6,3 Milliarden gekauft. Die Spanier wollten sie schnell veräußern, ein Angebot der französischen Bank BNP Paribas um sieben Milliarden Euro lag vor; Monte dei Paschi legte dagegen 9,3 Milliarden Euro in bar auf den Tisch. Zu viel, meinten alle Beobachter. Es wird gemutmaßt, dass Schmiergeldzahlungen geflossen sind.

Verluste und Verfahren


Monte dei Paschi kam dann im Zuge der Finanzkrise immer mehr in die Bredouille. Verluste von 730 Millionen Euro wurden bekannt. Inzwischen ermittelt die Justiz nicht nur wegen Korruption im Falle der Übernahme von Antonveneta, sondern auch wegen Bilanzfälschung im Zuge von Derivatgeschäften sowie dem Verdacht von Insiderhandel und Zinswucher.

Der im Versuch einer Aufräumaktion erst vor zwei Jahren ernannte Bankchef Fabrizio Viola hat Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung durch seine Vorgänger eingeräumt, aber Vorwürfe der Bestechung zurückgewiesen.

2013 musste schließlich der italienische Staat einspringen und das drittgrößte Bankhaus des Landes mit 4,1 Milliarden Euro stützten. Das Geld muss heuer teilweise zurückgezahlt werden, ansonsten droht die Verstaatlichung.

Im Juni dieses Jahres nahm Monte dei Paschi die Siena mit einer Kapitalerhöhung 4,99 Milliarden Euro ein. Bei der Emission seien 99,85 Prozent der ausgegebenen Aktien gezeichnet worden, teilte das Geldhaus am Freitagabend mit. Die nicht gezeichneten Anteilsscheine sollten von 1. bis zum 7. Juli am Markt zum Kauf angeboten werden. Um Käufer für die neuen Papiere zu finden, musste die Bank einen hohen Abschlag bieten.

Der Stresstest der Europäischen Zentralbank drohe noch weitere Lücken offenzulegen, hieß es schon damals in einem mehr als 500 Seiten starken Werbekatalog für die Kapitalerhöhung der Bank.

Am Donnerstag berichteten die Agenturen, dass voraussichtlich zwei italienische Banken nach dem Stresstest frisches Kapital aufnehmen müssen. Neben der Banca Carige handelt es sich dabei wie erwartet um die Banca Monte dei Paschi. Beide könnten die geforderte Kapitalquote im Krisenszenario des Stresstests nicht halten, und ihre Gewinne in diesem Jahr seien nicht groß genug, um das Loch zu stopfen. Fraglich ist natürlich, ob das Marktumfeld noch genügend Kapital für die Erhöhung zulassen wird.

Die 130 Teilnehmer der Belastungsprobe haben Donnerstagmittag die vorläufigen Ergebnisse erhalten. Dann haben sie noch zwei Tage Zeit, Streitfälle mit den Prüfern auszuräumen. Bei den 24 teilnehmenden deutschen Banken werden keine Kapitallücken erwartet. Am Sonntagmittag wollen die EZB und die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA die Ergebnisse des Tests veröffentlichen.