Brüssel. Sie bewegt sich doch - wenn auch langsamer als erwünscht. Die Richtung, die Europas Wirtschaft nach Jahren in der Krise aufgenommen hat, gibt zwar Anlass zu Optimismus. Doch der kann fürs erste nur verhalten sein, zögerlich wie die Erholung ist. Denn in ihrer Herbstprognose geht die Europäische Kommission nur von einem schwachen Wirtschaftswachstum aus. Die Schätzungen wurden sowohl für den Rest des Jahres als auch für das kommende Jahr nach unten korrigiert. Erst 2016 soll es wieder eine spürbare Besserung geben.

In den 18 Ländern der Eurozone wird demnach ein Wachstum von lediglich 0,8 Prozent erwartet; 2015 soll der Prozentsatz bei 1,1 liegen. Für die gesamte EU sind die Werte etwas höher: 1,3 und 1,5 Prozent. Die Arbeitslosenzahlen wiederum sinken kaum: Auch im kommenden Jahr wird jeder zehnte Mensch in der Union ohne Job sein; in den Eurostaaten beträgt die Rate sogar 11,3 Prozent. "Die Lage der Konjunktur und am Arbeitsmarkt verbessert sich nicht schnell genug", kommentierte Vize-Kommissionspräsident Jyrki Katainen, der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständig ist.

Bei der Präsentation der alle sechs Monate erstellten Prognose stand ihm Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici zur Seite. Es war der erste Auftritt des Teams, das in der neuen Kommission rund um Präsident Jean-Claude Juncker unter anderem für die Einhaltung der Regeln zur Fiskal- und Wirtschaftspolitik verantwortlich sein wird. "Glaubwürdige Haushaltspolitik" sei denn auch weiterhin unabdingbar, betonte Moscovici. Doch könne es nicht nur bei dieser einzigen Antwort auf die Frage bleiben, wie die europäische Wirtschaft angekurbelt werden könne. Strukturreformen seien ebenso notwendig wie öffentliche und private Investitionen.

Sorgen um Frankreich


Moscovicis Heimatland hat damit seine Schwierigkeiten. Frankreichs Konjunktur bereitet - wie jene Italiens - der Kommission Sorgen. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Währungsgemeinschaft bleibt die Binnennachfrage fürs erste schwach und die Exportleistung gering. Das Haushaltsdefizit aber soll in den kommenden zwei Jahren auf 4,5 und 4,7 Prozent klettern. Das übersteigt das Zweifache des EU-Durchschnitts.

Italien wiederum ringt mit seinem Schuldenberg. Dieser dürfte im nächsten Jahr sogar noch wachsen, bevor er 2016 etwas geringer wird. Dennoch wird die Staatsschulden-Quote - gemessen an der Wirtschaftsleistung - in Höhe von knapp 133 Prozent weit über der erlaubten Grenze liegen. Höhere Werte weist nur Griechenland auf.