Berlin/Washington. Berlin macht aus dem 25. Jahrestag des Mauerfalls ein Fest. Bei strahlendem Sonnenschein waren hunderttausende Einheimische und Touristen aus aller Welt in der einst geteilten Stadt unterwegs, um sich an die historischen Ereignisse vom 9. November 1989 zu erinnern.

Hauptattraktion war die Lichtinstallation, die seit Freitagabend den Verlauf der Mauer nachzeichnet. Die knapp 7.000 Ballons sollen am Sonntagabend in den Himmel aufsteigen und so die symbolische Grenze wieder auflösen.

Die Lichtgrenze, die dem Verlauf der Mauer von der Bornholmer Brücke über das Brandenburger Tor bis zur Oberbaumbrücke folgt, lockte schon zum Auftakt zahllose Besucher an. In der Nacht auf Samstag flanierten Einheimische und Touristen in Scharen an leuchtenden Ballons vorbei, am Morgen setzte sich der Zug der Schaulustigen fort.

Allerdings sind mittlerweile zwischen 50 und 100 der Ballons kaputt. Nach Angaben der Kulturprojekte Berlin platzten die Leuchtkugeln oder wurden aus Versehen beschädigt. Einige Ständer seien aber auch absichtlich umgeknickt worden, hieß es.

Beschmierte Gedenkstätte
Jugendliche beschmierten in der Nacht auf Samstag die zentrale Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße, wo die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag die neue Dauerausstellung eröffnen will. Auf Informationskästen, dem Gehweg und einem Wartehaus der Berliner Verkehrsbetriebe hinterließen die Täter linksextremistische Parolen, wie die Polizei mitteilte. Sechs Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren wurden vom Staatsschutz festgenommen.

Merkel: Berlin ist ein "Symbol für die Vereinigung Europas"
Merkel würdigte zum 25. Jahrestag des Mauerfalls die Bedeutung Berlins. Die Stadt habe nicht nur das Bild Deutschlands geprägt, sondern sei auch "fast ein Symbol für die Vereinigung Europas nach dem Kalten Krieg", sagte sie in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft.

Grußadresse von Obama
US-Präsident Barack Obama erklärte, dass er im Namen seiner Landsleute mit den Deutschen den 25. Jahrestag des Mauerfalls begehe. Er sieht die Spaltung Europas auch ein Vierteljahrhundert danach noch immer nicht ganz überwunden. "Russlands Vorgehen gegen die Ukraine erinnert uns daran, dass wir mehr arbeiten müssen, um unsere gemeinsame Vision eines ungeteilten, freien und in Frieden lebenden Europas voll zu realisieren", erklärte Obama am Freitag in Washington. Die Lektion des 9. November 1989 sei dennoch, dass "Mauern und unterdrückerische Regime für einige Zeit andauern mögen, am Ende aber nicht dem Wunsch nach Freiheit und Würde standhalten könnten, der in jedem menschlichen Herzen brennt".

Der französische Staatspräsident Francois Hollande widersprach Interpretationen, nach denen Paris gegen die Wiedervereinigung Deutschlands war. Frankreich habe die Wiedervereinigung unterstützt, schrieb er in der "Bild"-Zeitung (Samstagsausgabe). Frankreichs damaliger Präsident Francois Mitterrand war 1989 jedoch beunruhigt gewesen, wie bei den Feierlichkeiten zum Mauerfall vor fünf Jahren auch in Paris eingeräumt worden war. Mitterrand hatte es abgelehnt, mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl durch die offene Mauer zu schreiten - und war stattdessen zur neuen DDR-Regierung nach Ostberlin gereist. Hollande schrieb weiter: "25 Jahre später ist der Fall der Mauer ein gemeinsames Erbe, das uns - Franzosen, Deutsche, Europäer - in die Pflicht nimmt. Weil Frieden und Sicherheit wieder zur Herausforderung geworden sind, auch an den Grenzen der Europäischen Union."

Deutsche Linke entschuldigt sich für DDR-Unrecht
Die deutsche Partei Die Linke verurteilte zum 25. Jahrestag des Mauerfalls das "staatliche Unrecht" in der DDR verurteilt. Damit erneuerte sie eine Entschuldigung ihrer Vorgängerpartei PDS aus dem Jahr 1990.

Die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger sowie Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi betonen in einer gemeinsamen Erklärung, die DDR sei ein Staat gewesen, "in dem die politische Willkür jederzeit Recht und Gerechtigkeit ersetzen konnte, in dem Zehntausende Biografien durch staatliches Unrecht gebrochen und zerstört wurden." Dafür habe die SED die Hauptverantwortung getragen.

Die deutsche Linke entstand aus einem Zusammenschluss der PDS (Nachfolgepartei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR, Anm.) und der WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit), einer Abspaltung der Sozialdemokraten (SPD).

Heftige Kritik von Gorbatschow
Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, der als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung gilt, erhob bei den Gedenkfeiern in Berlin schwere Vorwürfe gegen den Westen. Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt sagte er am Samstag: "Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen."

Der Friedensnobelpreisträger warf dem Westen und insbesondere den USA vor, ihre Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten zu haben. Stattdessen habe man sich zum Sieger im Kalten Krieg erklärt und Vorteile aus Russlands Schwäche gezogen.

Der 83-Jährige, der früher als Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin hervorgetreten war, warb bei der Veranstaltung der "Cinema For Peace Foundation" direkt am Brandenburger Tor erneut um Verständnis für die aktuelle Moskauer Politik im Ukraine-Konflikt. Jüngste Äußerungen Putins ließen das Bestreben erkennen, Spannungen abzubauen und eine neue Grundlage für eine Partnerschaft zu schaffen. Gorbatschow forderte eine schrittweise Aufhebung der gegenseitigen Sanktionen. Vor allem die von der EU und den USA verhängten Strafmaßnahmen gegen Politiker müssten aufgehoben werden.