Sotschi. (vee) Mit einem Vertrag, der Schlüsselbereiche wie Verkehr und Verteidigung umfasst, hat Russland seine Stellung als Schutzmacht der von Georgien abtrünnigen Südkaukasusregion Abchasien ausgebaut. Kremlchef Wladimir Putin und der Präsident des Konfliktgebiets, Raul Chadschimba, hätten ungeachtet des georgischen Protests im südrussischen Sotschi zahlreiche Dokumente unterzeichnet, meldete die Agentur Interfax am Montag.

Georgien verurteilte die Unterzeichnung des "Vertrags über ein Bündnis und eine strategische Partnerschaft" als weiteren Schritt in Richtung einer Annexion Abchasiens. Das Dokument besagt etwa, dass ein bewaffneter Angriff auf die Schwarzmeerprovinz künftig als ein Angriff auf Russland angesehen würde und umgekehrt. Er sieht zudem den Aufbau einer gemeinsamen russisch-abchasischen Militäreinheit binnen eines Jahres vor. Bei einer akuten Bedrohung oder nach Ausrufung des Kriegszustandes soll deren Kommandant von Russland ernannt werden, sein Vize von Abchasien. Gleichzeitig will Moskau Geld für das abchasische Militär bereitstellen und generell die Finanzhilfen für Abchasien künftig verdoppeln.

Bemühen um Unabhängigkeit


Der Vertrag verpflichtet gleichzeitig Moskau, sich international um mehr Anerkennung für Abchasiens Unabhängigkeit zu bemühen. Laut Chadschimba beruht der Vertrag auf "gleichen Rechte zwischen zwei souveränen Staaten". Der Vertrag ist aber auch innerhalb Abchasiens nicht unumstritten. "Anders als in Südossetien, wo die Bereitschaft, ein Teil Russlands zu werden, sehr groß ist, pocht man in Abchasien sehr viel stärker auf Unabhängigkeit von beiden Seiten", sagt der Kaukasus-Experte Uwe Halbach. Eine zu starke Abhängigkeit von Russland würden politische und gesellschaftliche Kräfte infrage stellen.

Georgien verlor nach einem Krieg gegen Russland 2008 die Kontrolle über Abchasien und das ebenfalls abtrünnige Südossetien. Moskau anerkannte danach die Unabhängigkeit der beiden Unruheregionen und stationierte dort Soldaten - Medienberichten zufolge sind es in Abchasien aktuell um die 3500 russische Militärs, laut Kreml zum Schutz vor möglichen georgischen Angriffen.