Erfurt/Wien. Im ostdeutschen Thüringen haben Linkspartei, SPD und Grüne am Donnerstag den Koalitionsvertrag für eine gemeinsame Landesregierung unterzeichnet. Heute, Freitag, soll der Landtag in Erfurt den Linkspartei-Politiker Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten wählen. 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer wäre er der erste Ministerpräsident der SED-Nachfolgepartei.

Auch wenn der Unterschrift unter den Koalitionsvertrag penible Vorbereitung und lange Sondierungs- und Verhandlungsrunden vorausgegangen sind, ist aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im Erfurter Landtag eine Überraschung nicht völlig ausgeschlossen. Denn die rot-rot-grüne Koalition verfügt nur über eine Stimme mehr als die Opposition. CDU-Fraktionschef Mike Mohring sagte im "Deutschlandfunk", dass er mit mehreren Wahlgängen rechne. "Da wir davon ausgehen, dass Bodo Ramelow im ersten Wahlgang scheitert, werden wir uns dann erneut zusammensetzen", kündigte er an.

Konservativer Gegenkandidat?


Das CDU-Präsidium hatte zunächst entschieden, einen Gegenkandidaten aufzustellen, dann aber am Dienstag beschlossen, mit einer Entscheidung bis nach dem ersten Wahlgang zu warten.

Einen Gegenkandidaten könnte die CDU am Freitag kurzfristig für den dritten Wahlgang aufstellen, falls Ramelow zuvor nicht alle Stimmen von Linken, SPD und Grünen erhalten sollte. Dann gilt eine einfache Mehrheit der Stimmen. Mohring schloss auch eine Koalition der CDU mit der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) aus. Sollte Ramelow scheitern, müssen SPD und Grüne erneut überlegen, ob sie nicht doch mit der Union koalieren wollten. Die CDU stellte in den 24 Jahren ununterbrochen den Regierungschef in Thüringen, zuletzt in einer schwarz-roten Koalition mit der SPD.