Frankfurt. Die Teuerung in der Eurozone wird nach Einschätzung von Nationalbank-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny in den nächsten Monaten weiter zurückgehen. Nowotny warnte vor einer Kombination aus extrem niedriger Inflation und einer schwächelnden Konjunktur. "Für das erste Quartal 2015 müssen wir mit großer Wahrscheinlichkeit mit sinkenden Inflationsraten rechnen." Damit dürfte die Teuerung in "sehr sensible Bereiche" fallen. Zuletzt lag sie in der Eurozone nur noch bei 0,3 Prozent. Die EZB peilt aber knapp zwei Prozent an. Parallel sei eine "massive Abschwächung der Konjunktur im Euroraum" zu beobachten, gegen die sich die EZB stemmen werde. Dies solle über die Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1.000 Milliarden Euro geschehen.

Zu niedrige Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht an der Schwelle zu weiteren Maßnahmen gegen die schwache Konjunktur und die für ihren Geschmack viel zu niedrige Inflation. Erst vergangene Woche hatte EZB-Präsident Mario Draghi die Tür für eine weitere geldpolitische Lockerung über Staatsanleihenkäufe sperrangelweit aufgemacht. Im Fachjargon der Notenbanker heißt diese Politik "Quantitative Easing" (QE), also eine künstliche Ausweitung der Geldmenge durch Wertpapierkäufe der Zentralbank. Diese in den USA, Großbritannien und Japan schon länger und zum Teil erfolgreich eingesetzte Option wird in Deutschland wegen möglicher Risiken und Nebenwirkungen sowie rechtlicher Bedenken sehr kritisch gesehen.

Offen für Staatsanleihenkauf

Ewald Nowotny kann sich für den in Deutschland heftig umstrittenen Kauf von Staatsanleihen durch die EZB jedoch erwärmen. Ein solcher Schritt könne ein probates Mittel im Abwehrkampf gegen die zähe Wirtschaftsschwäche und die drohende Deflation sein, sagte Nowotny am Montag auf einer Konferenz in Frankfurt.

"Als Unterstützung im Rahmen eines Gesamtkonzepts kann das sicherlich wertvoll sein." Für ihn ist das Risiko einer ruinösen Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und einer abschmierenden Konjunktur - der sogenannten Deflation - sehr real.

"Schwachstelle der Weltwirtschaft"

Nowotny malte zudem ein dunkles Bild von der Konjunktur in der Eurozone. Diese sei derzeit die "Schwachstelle der Weltwirtschaft". Aktuell sei eine "massive Abschwächung der Konjunktur im Euroraum" zu beobachten, gegen die die EZB sich stemmen werde, so das Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB).