Vorra/Dresden. (da) "Kein Asylat [sic] in Vorra." Das schmierte der Täter auf eines jener drei Gebäude, die in der Nacht auf Freitag in Vorra in Flammen aufgegangen sind. Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus. In dem Gasthaus, der Scheune und dem Wohnhaus sollten demnächst Flüchtlinge eine Unterkunft finden. Lange standen die drei Gebäude leer, weswegen sich eine Gruppe von Dorfbewohnern bereits gefreut hatte, dass dank der 700.000 Euro teuren Sanierung die verfallenen Stätten renoviert wurden und wieder neue Bewohner in die mittelfränkische Provinz kommen.

Kanzlerin Angela Merkel ließ sogleich über eine Sprecherin ausrichten, dass es in Deutschland keinen Platz für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gebe. Der Anschlag kommt jedoch just gleichzeitig mit dem Aufstieg einer Gruppe namens "Pegida"; einer Abkürzung für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". "Wir sind das Volk", skandieren deren Anhänger, die jeden Montag - kommende Woche zum neunten Mal - durch Dresden ziehen. Ort und Parole sind nicht zufällig gewählt, sollen Assoziationen an den Fall der DDR wecken.

Straffälliger Initiator
für "null Toleranz"

Offen ausländerfeindliche Parolen findet man bei "Pegida" vergeblich. "Jeder Mensch, gleich welcher Nationalität oder Religion, ist uns willkommen", schreibt die Gruppe auf ihrer Facebook-Seite. Gleichzeitig wird "Für die Erhaltung unserer Kultur" geworben, und "Gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden" gewettert. Um Differenzierung geht es dabei nicht, schließlich behaupteten sie, Auslöser ihres Engagements gegen die drohende Islamisierung Deutschland sei eine Demonstration von Anhängern der kurdischen PKK gewesen - die tatsächlich aber säkular ist. Ohne sie zu nennen, ist klar, gegen wen sich "Pegida" richtet: Ausländer und Muslime. Dabei muss die Gruppe gar nicht offen ausländerfeindlich agieren, die Anhänger verstehen die Botschaften ohnedies.

Maßgebliche Person hinter "Pegida" ist Lutz Bachmann. Der 41-Jährige weist eine erstaunliche Vita auf: Er fordert eine "Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Zuwanderern", ist aber laut Recherchen der "Sächsischen Zeitung" wegen Drogenhandels nur auf Bewährung frei. In der Vergangenheit beging der Betreiber einer Foto- und PR-Agentur diverse Straftaten, darunter Einbruch, Diebstahl und Körperverletzung.

Kamen anfangs nur einige hundert Personen zu den Demonstrationen, waren es zuletzt rund 10.000, allerdings auch annähernd so viele Gegendemonstranten. Die Facebook-Seite von "Pegida" haben mittlerweile mehr als 44.000 Personen "geliked" - ein Anstieg um mehr als 25 Prozent gegenüber der Vorwoche. Nachahmer in anderen deutschen Städten springen nun auf den Zug auf: so Düsseldorfs "Dügida", das von einem Mann mitinitiiert wurde, der einer Hooligans nahestehenden Gruppe angehörte.

"Pegidas" Erfolg beruht darauf, eben nicht nur szenebekannte Rechte zu ködern, sondern auch Bürger aus der Mitte der Gesellschaft, die angesichts des IS-Terrors, der Wirtschaftskrise in Europa und der Angst um den eigenen Job Halt in der Ausgrenzung gegenüber Fremden suchen. Auf dieser Klaviatur spielt auch die zuletzt erfolgreiche Alternative für Deutschland (AfD). Sie begrüßt Proteste wie "Pegida", während sich die Bundestagsparteien abgrenzen.